China : Dammgegner wird weiter Operation verweigert

Auch nach einer Intervention des Auswärtigen Amtes und der Zusicherung Chinas, dem schwer verletzten Dammgegner Fu Xiancai Hilfe zukommen zu lassen, wird dem Bauern weiterhin die nötige Operation verweigert.

Peking/Berlin - Trotz deutscher Intervention wird dem schwer verletzten und gelähmten Kritiker des Drei-Schluchten-Dammes in China, Fu Xiancai, die nötige medizinische Behandlung verweigert. Der chinesische Bauer, der in einem ARD-Bericht über unzureichende Entschädigung für die Umsiedlung geklagt hatte und daraufhin zusammengeschlagen worden war, berichtete am Donnerstag, das Krankenhaus wolle ihn nicht wie geplant am Freitag operieren, wenn er die Kosten von 30.000 Yuan (3000 Euro) nicht vorher bezahle.

In einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Peking sagte Fu Xiancai vom Krankenbett im Hospital in Yichang (Provinz Hubei) mit stockender Stimme: «Gerade hat mir das Krankenhaus mitgeteilt, dass die Operation nicht vorgenommen wird, wenn ich das Geld nicht habe.» Sein Gesundheitszustand hat sich erkennbar verschlechtert. «Heute geht es mir schlechter. Ich habe Atemprobleme und muss nach zwei Sätzen aufhören zu sprechen.»

Deutsche Botschaft entsendet Vertreterin

Kurz zuvor hatte die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Jiang Yu, noch angegeben: «Wir haben dem Verletzten medizinische Behandlung zukommen lassen.» Er habe das Geld nicht, um die Operation zu bezahlen, hatte der Chinese bereits am Mittwoch eingestanden, und an die Medien appelliert, ihm zu helfen.

Die deutsche Botschaft in Peking will sich direkt im Krankenhaus über den Gesundheitszustand des Mannes informieren. Die Botschaft habe sich der Angelegenheit angenommen und am Donnerstag eine Vertreterin in Begleitung des Regionalarztes des Auswärtigen Amtes (AA) in die Klinik entsandt, sagte AA-Sprecher Martin Jäger der dpa in Berlin. «Wir wollen sicherstellen, dass die notwendige medizinische Behandlung gewährleistet ist.»

Auswärtiges Amt: "Erschreckende Untat"

Die Auswärtige Amt hatte den Übergriff als «schlimme und erschreckende Untat» verurteilt und Peking nachdrücklich um Aufklärung gebeten. Die chinesische Regierung sagte eine Untersuchung des Vorfalls zu und will die deutsche Seite unterrichten. «Wir werden sehr sorgfältig darauf achten, dass wir in dieser Frage eine Antwort bekommen», sagte Jäger.

Die Polizei sei wegen des Angriffs schon zu ihm gekommen, berichtete Fu Xiancai. «Ich habe ihnen gesagt, dass die Regierung dahinter steckt.» Die Beamten hätten entgegnet, vielleicht habe er jemanden verärgert, der Rache geübt habe. «Ich habe ihnen gesagt, dass ich niemanden verletzt habe. Ich habe nur die korrupten Funktionäre der Regierung angegriffen», sagte Fu Xiancai.

"Ich kann nur den Mund bewegen und reden"

Der Bauer, der wegen seiner Petitionen schon früher Todesdrohungen erhalten hatte, war nach dem Interview in dem ARD-Bericht von der Polizei verwarnt worden und auf dem Rückweg von der Polizeistation brutal von hinten niedergeschlagen worden. Seither ist er von den Schultern abwärts gelähmt. Er bat um Hilfe für seine medizinische Behandlung. «Mein Halswirbel ist gebrochen. Ich liege im Bett, kann mich nicht bewegen. Ich habe kein Gefühl in meinen Beinen und Armen», sagte Fu Xiancai. «Ich kann nur den Mund bewegen und reden.»

Er sah einen klaren Zusammenhang zwischen dem Angriff und dem Interview. «Es hat mit dem Interview zu tun. Viele Leute haben mich vorher gewarnt, mit ausländischen Medien zu reden», sagte Fu Xiancai. Die Polizei habe ihm gesagt, «wenn ich das tue, bin ich in Gefahr». Er habe oft Drohanrufe bekommen. «Die Polizei fragte mich, warum mich das deutsche Fernsehen interviewt hat», sagte Fu Xiancai. «Ich habe ihnen die Wahrheit gesagt, dass die örtlichen Behörden die von der Zentralregierung gezahlten Entschädigungen einkassiert haben.»

Roth bezweifelt Olympia-Tauglichkeit Chinas

Amnesty International (AI) forderte die EU zu einem Protest bei der Regierung in Peking auf. Europa müsse «ein Zeichen der Solidarität geben mit Menschen, die friedlich von ihrem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen», sagte der China-Experte der Menschenrechtsorganisation, Dirk Pleiter, der «Netzeitung» (Donnerstag).

Grünen-Chefin Claudia Roth äußerte erhebliche Zweifel an der Olympia-Tauglichkeit der Volksrepublik. «Es fragt sich, wie China Gastgeber der Olympischen Spiele 2008 sein will, wenn die Zusammenarbeit mit ausländischen Medien für chinesische Bürgerinnen und Bürger lebensgefährlich ist», sagte Roth der «Netzeitung». (tso/dpa)

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