Politik : China erlaubt Chen Ausreiseantrag

Peking - Im diplomatischen Ringen um den aus seinem Hausarrest geflohenen chinesischen Bürgerrechtler Chen Guangcheng gibt es Hoffnung auf eine Lösung. China habe zugestimmt, Chen ohne Verzögerung Reisedokumente zu geben, erklärte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland am Freitag. Die USA wollen dem blinden Dissidenten und seiner Familie nach eigenen Angaben schnell ein Visum zur Einreise in die Vereinigten Staaten ausstellen.

Das chinesische Außenministerium hatte zuvor erklärt, Chen könne einen Antrag auf ein Studium im Ausland stellen. Nach Angaben seines Unterstützers Guo Yushan verfügt Chen über eine Einladung einer New Yorker Universität. Laut US-Außenministerium wollen die chinesischen Behörden Chens Antrag auf Reisepapiere genehmigen. Chen sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gehe nicht um politisches Asyl.

US-Medien schlagen im Konflikt um Chen unterdessen zunehmend kritische Töne an. Anfangs gab es durchweg Solidarität mit dem blinden Bürgerrechtler, der zunächst Zuflucht in der US-Botschaft in Peking gesucht hatte. Doch als Zweifel aufkamen, ob die chinesischen Behörden die Absprachen zur Lösung des Falles einhalten und Republikaner der Regierung von Präsident Barack Obama ein stümperhaftes Vorgehen vorwarfen, begann ein Teil der US-Medien die Motive Chens und seiner Unterstützer in den USA zu hinterfragen. Die Zeitung „Washington Post“ wies darauf hin, dass Chen direkt vor den strategischen Gesprächen von Außenministerin Hillary Clinton und Finanzminister Tim Geithner in Peking aus seinem Hausarrest geflüchtet sei und damit einen hochsensiblen Moment für seine Aktion gewählt habe. Die USA müssten zwischen der Rücksicht auf Chen und den übrigen nationalen Interessen gegenüber China abwägen, hieß es in US-Medienberichten.cvm/AFP

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