Politik : China erlaubt erstmals Protest gegen Krieg

Polizei beschränkt Teilnehmerzahl / Hunderttausende demonstrieren weltweit / Menschenkette in Deutschland

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Peking/Frankfurt (Main) (AFP/AP). Erneut sind am Freitag und Samstag Hunderttausende Menschen weltweit gegen den IrakKrieg auf die Straße gegangen. Die chinesischen Behörden haben zum ersten Mal einer Kundgebung von einheimischen Gegnern des Kriegs die Genehmigung erteilt. Die hauptsächlich von Intellektuellen geplante Demonstration solle in einem Park in der Hauptstadt Peking stattfinden, sagte einer der Organisatoren am Samstag. „Wir dürfen nicht durch die Straßen marschieren und auch nicht vor der US-Botschaft protestieren.“ Die Teilnehmerzahl sei von der Polizei auf 100 beschränkt worden. Die Proteste sollten nach Angaben der Organisatoren Sonntagnachmittag stattfinden.

Etwa 5000 Anhänger linker Parteien haben sich am Samstag in Moskau zur bislang größten russischen Kundgebung gegen den Krieg im Irak versammelt. Die Demonstranten forderten, eine internationale Anti-Kriegs-Koalition zu gründen und Bagdad Militärhilfe gegen die USA zu leisten, meldete die Agentur Interfax. Viele der Kommunisten nutzten die Kundgebung, um ihren Unmut über die gestiegenen Wohnnebenkosten zu äußern. Die russische Bevölkerung ist mit großer Mehrheit gegen den Krieg, es gab jedoch nur wenige Demonstrationen. Die Moskauer Führung kritisiert das Vorgehen der USA, will die guten Beziehungen zu Washington aber nicht gefährden.

Anhaltendem Regen zum Trotz haben kolumbianische Jugendliche am Freitag nackt gegen den Irak-Krieg und dessen Unterstützung durch die Regierung von Präsident Alvaro Uribe demonstriert. Etwa 700 Studenten und Dozenten verschiedener Universitäten des Andenstaats marschierten zwei Kilometer weit über eine Hauptstraße der Hauptstadt Bogota. Im südwestlichen Departamento Cauca demonstrierten rund 5000 Ureinwohner mit einer Straßenblockdade.

Nach dem Freitagsgebet haben in islamischen Ländern Hunderttausende demonstriert. In Teheran wurde dabei die britische Botschaft mit Steinen attackiert. Auch in Libanon, Bahrain, Indien, Indonesien, Bangladesch, Sri Lanka, Ägypten, den Palästinensergebieten, der Türkei und in den Vereinigten Arabischen Emiraten gingen Zehntausende auf die Straße.

In Deutschland begannen am Nachmittag Tausende Demonstranten damit, sich zwischen Osnabrück und Münster zu einer 50 Kilometer langen Friedenskette zu formieren. Rund um das Oberkommando der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) in Stuttgart schlossen rund 6000 Kriegsgegner eine fünf Kilometer lange Kette. Zeitgleich versammelten sich an der Frankfurter Airbase der US-Luftwaffe 2000 Demonstranten. Auch in Rostock und Berlin wurde demonstriert.

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