China protestiert : Merkel empfängt Dalai Lama

Bundeskanzlerin Angela Merkel will als erste deutsche Regierungschefin den Dalai Lama im Kanzleramt empfangen. China reagierte umgehend auf die Ankündigung und bestellte den deutschen Botschafter in Peking ein.

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In zehn Tagen wollen sich das geistige Oberhaupt der Tibeter und die Kanzlerin zu einem Gespräch treffen. -Foto: ddp

Berlin / PekingMit Verärgerung hat die chinesische Führung auf eine Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an den Dalai Lama reagiert. Unmittelbar nach der Ankündigung des Besuchs wurde am Freitag der deutsche Botschafter Michael Schäfer ins Außenministerium in Peking "gebeten". Dies teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes auf Anfrage in Berlin mit.

Merkel will am 23. September als erste deutsche Regierungschefin das religiöse Oberhaupt der Tibeter im Kanzleramt empfangen. Der "private Gedankenaustausch" mit dem Friedensnobelpreisträger stehe in der Reihe von Treffen der Kanzlerin mit anderen Religionsführern, teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mit. Zu Spekulationen, wonach man in Peking den Empfang als Affront bewerten könnte, sagte Wilhelm, die Lage in Tibet würde auch bei den deutsch-chinesischen Gesprächen über Menschenrechtsfragen regelmäßig angeschnitten.

Das "Handelsblatt" hatte berichtet, der deutsche Botschafter sei ins Außenministerium in Peking einbestellt worden. Die chinesische Regierung hat bereits mehrfach von der Bundesregierung ein Einreiseverbot für den Dalai Lama gefordert. Merkel hatte ihn bereits im Jahr 2005 - damals noch als Oppositionsführerin - getroffen. Auch die früheren Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Klaus Kinkel (FDP) waren mit dem Dalai Lama zusammengetroffen.

Die chinesische Armee war 1951 in Tibet einmarschiert. Seitdem betrachtet Peking die Region als Teil Chinas. Der Dalai Lama steht seit seiner Flucht einer Exilregierung in der indischen Stadt Dharamsala vor. (mit dpa)

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