China : Staatsfernsehen zeigt verschwundenen Verleger aus Hongkong

Gui legt öffentlich ein Geständnis zu einem angeblichen Autounfall mit Todesfolge vor elf Jahren ab. Menschenrechtsorganisationen sind skeptisch.

Proteste gegen das Verschwinden der Verleger Gui Minhai und Lee Bo in Hongkong am 10. Januar.
Proteste gegen das Verschwinden der Verleger Gui Minhai und Lee Bo in Hongkong am 10. Januar.Foto: Jerome Favre/dpa

Drei Monate nach seinem Verschwinden hat das chinesische Staatsfernsehen einen vermissten Mitarbeiter eines chinakritischen Verlags aus Hongkong gezeigt. Gui Minhai legte am Sonntag im Sender CCTV das Geständnis ab, vor elf Jahren betrunken Auto gefahren zu sein und einen Unfall verursacht zu haben, bei dem ein anderer Mann ums Leben gekommen sei. Nun sei er nach China zurückgekehrt, um sich seiner "rechtlichen Verantwortung" zu stellen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte, der Auftritt Guis im Staatsfernsehen werfe mehr Fragen auf, als er Antworten gebe. "Aus juristischer Sicht ist das Video wertlos", sagte Nicholas Bequelin, Ostasien-Chef von Amnesty, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Es bleibe unklar, wo sich Gui aufhalte und von wem er warum festgehalten werde. Nicht auszuschließen sei, dass er unter Zwang ausgesagt habe.

Gui und vier weitere Mitarbeiter seines Verlags gelten seit einiger Zeit als vermisst, ihr Verbleib ist ungeklärt. Vier der Männer sind bereits seit Oktober verschwunden. Sie kehrten von Reisen in den Süden Chinas und nach Thailand nicht zurück. Der fünfte Mann, der 65-jährige Verleger Lee Bo, verschwand am 30. Dezember vermutlich direkt aus Hongkong.

Es gibt Vermutungen, dass die Vermissten von chinesischen Sicherheitskräften verschleppt wurden. Hintergrund ist mutmaßlich ein von dem Verlag Mighty Current geplantes Buch über eine ehemalige Geliebte des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Peking garantiert der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong noch bis zum Jahr 2047 einen Sonderstatus nach dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme". Chinesische Sicherheitskräfte haben gemäß dieser Vorgabe nicht das Recht, dort zu agieren. (AFP)

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