Politik : China und Japan reden wieder

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Jakarta China und Japan suchen einen Ausweg aus ihrer schwersten diplomatischen Krise seit Jahrzehnten. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao und der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi trafen am Samstag in Jakarta zusammen, um einen ersten Schritt in Richtung Entspannung zu machen. Das Treffen fand nach Abschluss des Asien-Afrika- Gipfels in der indonesischen Hauptstadt Jakarta statt. Zuvor war UN-Generalsekretär Kofi Annan mit Koizumi zusammengetroffen. Anschließend äußerte er die Hoffnung, dass das Treffen beider Spitzenpolitiker „die Temperatur ein bisschen verringert und die Beziehungen wieder auf den rechten Weg bringt“.

Hu besteht nach chinesischen Angaben darauf, dass sich Japan ernsthaft seiner Kriegsgeschichte stellt und negative Auswirkungen durch „irregeleitetes Handeln“ beseitigt. Nur unter dieser Voraussetzung könnten sich die Beziehungen auf einer soliden Grundlage fortentwickeln. Peking fordert nach Angaben eines hohen Regierungsbeamten insbesondere ein Ende der Besuche Koizumis im umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio, wo neben den Kriegstoten auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Ferner soll sich Tokio, das mit den USA die friedliche Lösung der Taiwanfrage als gemeinsame Sorge definiert hatte, aus dem Streit um die Insel heraushalten.

Dem Treffen war am Vortag eine erneute Entschuldigung Koizumis für die Kriegsvergangenheit Japans vorausgegangen. Um seinerseits den Willen zur Annäherung zu signalisieren, hatte Chinas Regierung die eigene Bevölkerung vor neuen Protesten gewarnt. Indirekt wurde auch eingeräumt, dass die Lage bei den teils gewalttätigen Demonstrationen außer Kontrolle geraten und von „Randalierern“ ausgenutzt worden war. Diese Wortwahl könnte den Weg für einen Kompromiss über Japans Forderung nach Entschuldigung und Entschädigung freimachen, die Peking abgelehnt hatte. dpa

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