Politik : China will Nordkorea wieder an Verhandlungstisch bringen

Harald Maass[Peking]

China hat eine neue diplomatische Offensive gestartet, um die Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm wieder in Gang zu bringen. Die festgefahrenen Nukleargespräche und Wirtschaftshilfen stehen auch im Mittelpunkt des am Montag begonnenen Besuches von Nordkoreas Parlamentschef Kim Yong Nam in China. Kim Yong Nam ist hinter Militärchef Kim Jong Il der zweite Mann in Nordkoreas Machthierarchie. Peking will Nordkorea zur Wiederaufnahme der Sechs-Nationen-Gespräche zur Lösung des Atomstreits drängen.

Schon in der vergangenen Woche führte der chinesische Sonderbeauftragte Ning Fukui dazu Gespräche in Seoul, Tokio und Washington. Nordkorea ist auch ein Thema der Asienreise von Colin Powell. Der US-Außenminister wird vom Wochenende an Japan, China und Südkorea besuchen. „Das Problem ist, dass Nordkorea nicht zurück an den Verhandlungstisch kommt“, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher. Drei Runden der Sechs-Nationen-Gespräche, an denen Nord- und Südkorea, die USA, China, Japan und Russland teilnahmen, blieben ohne Durchbruch. Eine für den Sommer geplante Gesprächsrunde scheiterte an Pjöngjangs Widerstand. Nordkorea verlangt als Gegenleistung für die Aufgabe seines Atomprogramms Wirtschaftshilfen und Sicherheitsgarantien der USA.

Eine rasche Fortführung der Nukleargespräche scheint trotz der chinesischen Bemühungen unwahrscheinlich. Nach Angaben chinesischer Diplomaten will Pjöngjang erst die US-Wahl abwarten. Im Gegensatz zu US-Präsident George W. Bush, der Nordkorea als Teil seiner „Achse des Bösen“ sieht, will sein Herausforderer John Kerry direkte Verhandlungen mit Nordkorea aufnehmen. Pjöngjang fordert solche Verhandlungen seit langem.

China wird wohl versuchen, Nordkorea mit Wirtschaftshilfe an den Verhandlungstisch zu locken. Die Lieferung von Energie und Nahrungsmitteln wird ein wichtiger Gesprächspunkt bei Kim Yong Nams Besuch sein. China ist der größte Lieferant von Erdöl und Reis in das von Hunger geplagte Land. Offiziellen Statistiken zufolge stieg der chinesisch-nordkoreanische Handel 2003 um mehr als Drittel auf eine Milliarde Dollar.

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