Politik : Chinas Fahne weht über Hongkong

Britische Herrschaft nach 156 Jahren beendet / Prinz Charles: London sagt nicht Goodbye / Streit um Schattenparlament HONGKONG (maa).Nach 156 Jahren britischer Kolonialherrschaft ist Hongkong in der Nacht zum Dienstag an die Volksrepublik China übergeben worden.Wenige Stunden vor dem offiziellen Machtwechsel um Mitternacht sagte der britische Thronfolger Prinz Charles, Großbritannien werde auch weiter eng mit Hongkong verbunden bleiben. "Britannien sagt nicht Goodbye", erklärte Prinz Charles bei der Abschiedszeremonie der Briten im strömenden Regen.Der scheidende Gouverneur Chris Patten nannte den Machtwechsel einen Anlaß "zum Feiern, nicht zur Trauer". Der offizielle Staatsakt der Übergabefeiern fand um Mitternacht statt.Für den Fahnenwechsel in dem eigens errichteten Anbau des Messezentrums waren 4000 Gäste aus aller Welt gekommen.Als ranghöchste Vertreter Chinas trafen am Nachmittag Staats- und Parteichef Jiang Zemin, der als erster chinesischer Präsident seit 1949 Hongkonger Boden betrat, und Ministerpräsident Li Peng aus Peking ein.Chinas Außenminister Qian Qichen hatte zuvor gegenüber dem angereisten deutschen Außenminister Klaus Kinkel (FDP) erklärt, daß Hongkong auch in Zukunft gemäß der Formel "Ein Land - Zwei Systeme" einen hohen Grad an Autonomie und Freiheit genießen werde.Der künftige, von Peking eingesetzte Regierungschef Tung Chee-hwa kündigte für Mai nächsten Jahres freie Wahlen an. In Peking und anderen chinesischen Städten wurden mehrere Millionen Menschen zu Feierlichkeiten erwartet.In Hongkong hatten sich London und Peking dagegen trotz monatelanger Beratungen nicht auf eine gemeinsame Zeremonie einigen können.Am frühen Dienstag morgen sollten 4000 Soldaten von Chinas Volksbefreiungsarmee in der Stadt einmarschieren. Überschattet wurden die Übergabefeierlichkeiten von einem diplomatischen Tauziehen über die Vereidigung des von Peking eingesetzten Schattenparlaments.Die USA hatten angekündigt, aus Protest die Einschwörung des pekingtreuen Schattenparlaments, das um Mitternacht das 1995 demokratisch gewählte Parlament ersetzen sollte, zu boykottieren.Am späten Nachmittag deutete sich jedoch an, daß außer der amerikanischen Außenministerin Albright und ihrem britischen Amtskollegen Cook alle EU-Staaten an der Vereidigungszeremonie teilnehmen würden, darunter auch der deutsche Außenminister Kinkel.

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