Politik : Chirac-Besuch: Das gute gallische Gen (Kommentar)

Aus der Tagesspiegel-Serie "Matthies meint"

Frankreich! Was hast Du, was wir nicht haben? Zineddine Zidane extraordinaire, natürlisch, die Schenkel von die kleine Froschen in Knoblauch, Bordeaux rouge und o-la-la-Parih, nesspah? Aber es muss mehr stecken hinter den Erfolgen der Grande Nation als das gallische Gen, mehr als nur das Folkloristische schlechthin. Mag sein, dass uns François Mitterrand, der sozialistische Sonnenkönig, posthum einen Fingerzeig gibt. "Ich muss eingreifen. Welcher Tag ist der beste?" fragte er im Januar 1991 kurz vor dem Golfkrieg - und zwar nicht seinen Generalstab, sondern eine gewisse Elizabeth Teissier, die uns noch als TV-Astrologin in Erinnerung ist. Sie hat nun Tonbänder veröffentlicht, auf denen sie mit ihrem Freund François über den Putsch in Moskau, den Rauswurf von Premierministerin Cresson und das Maastricht-Referendum plaudert, Jupiter und Saturn stets im Blick. Im Mutterland der Aufklärung! Drüben heißt es inzwischen, das machten alle Politiker so, "Chirac inbegriffen". Pendel, Kristallkugeln und Kaffeesatz statt Wirtschaftsweisen und dröger Demoskopie: Kanzler Schröder sollte den Kollegen Chirac heute mal nach einer Einführung fragen. 1. Lektion: Wir bestimmen das zukünftige Koalitionsklima aus der Asche einer Cohiba. Wäre für Deutschland schon ein gewisser Fortschritt.

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