Politik : Chirac fordert Hilfe für Afghanen

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat an die UN appelliert, eine internationale humanitäre Konferenz zu Afghanistan einzuberufen. UN-Generalsekretär Kofi Annan und US-Präsident George W. Bush hätten seinem Vorschlag bereits zugestimmt, sagte Chirac am Dienstagabend in New York. Er habe angeregt, dass eine "wichtige Persönlichkeit" die Hilfe für Afghanistan koordinieren solle. Die Afghanistan-Hilfe sei kein finanzielles Problem, sagte Chirac. Sie sei in erster Linie eine Frage der Energie und der Organisation. Für die Hilfe stünden bereits 700 Millionen Dollar (1,5 Milliarden Mark) zur Verfügung.

Die humanitäre Lage in Afghanistan bezeichnete der französische Präsident als "unerträglich und nicht hinnehmbar". Annan sagte, es müsse "wirklich alles getan werden, um eine humanitäre Katastrophe in Afghanistan während des Winters zu verhindern". Ein Datum für die internationale Hilfskonferenz wurde zunächst nicht genannt. UN-Diplomaten erwarten jedoch Ende November als möglichen Termin.

Die EU-Kommission hat sich gegen die Abwürfe von Hilfsgütern über Afghanistan ausgesprochen. Auch ein hoher Funktionär der Vereinten Nationen fordert ihre Einstellung. Die Aktion zerstöre die Glaubwürdigkeit humanitärer Hilfe, sagte der Berichterstatter für Ernährungshilfe bei der UN-Menschenrechtskommission, Jean Ziegler, am Dienstag in New York. Auch EU-Kommissar Poul Nielson hält den Einsatz vor Ort für die beste Methode, um den Menschen zu helfen. Nielson räumte vor dem Europaparlament ein, dass die Bedingungen extrem schwierig seien und es an einem offenen Zugang nach Afghanistan mangele.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Übersicht haben Großbritannien, Frankreich und die Niederlande bislang am meisten Geld für die Afghanistan-Hilfe zur Verfügung gestellt. Großbritannien gab bisher umgerechnet rund 113 Millionen Mark, Frankreich 68 Millionen Mark und die Niederlande rund 62 Millionen Mark.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat eine "gezieltere" Ausrichtung der US-Angriffe auf Afghanistan gefordert. Der Militäreinsatz müsse gezielter ablaufen und so schnell wie möglich zuende gebracht werden, sagte Musharraf am Mittwoch bei einem Besuch in der Türkei. Opfer unter der Zivilbevölkerung müssten verhindert werden. Musharraf forderte erneut eine Unterbrechung der Angriffe während des moslemischen Fastenmonats Ramadan. Sollte das Bombardement während dieser Zeit fortgesetzt werden, hätte dies "zweifellos negative Auswirkungen auf die islamische Welt".

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