Politik : Chirac siegt diesmal mit Links

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Chirac wurde am Pariser Platz der Republik von tausenden Demonstranten bejubelt. „In schwierigen Momenten hat Frankreich sich immer auf das Wesentliche besonnen“, sagte Chirac, der das beste Wahlergebnis seit Einführung der Direktwahl des Staatsoberhauptes vor 40 Jahren erzielte.

Er wurde für fünf Jahre wiedergewählt. Eine Übergangsregierung solle die Autorität des Staats wiederherstellen und Frankreich auf den Weg des Wachstums und der Arbeit zurückbringen, kündigte Chirac an. „Ich möchte die Republik in den Dienst aller stellen.“ Das Duell zwischen dem 69-jährigen Präsidenten und seinem 73-jährigen Herausforderer Le Pen war von der landesweiten Mobilmachung gegen die extreme Rechte geprägt.

Allein am 1. Mai waren mehr als 1,3 Millionen Menschen auf die Straße gegangen. In einem beispiellosen Bündnis hatten linke Regierungsparteien, Gewerkschaften, Unternehmer und Kirchenvertreter aufgerufen, Chirac zu wählen. In Paris feierten Tausende von Menschen den Sieg Chiracs und sangen „Wir haben gewonnen“ und „I will survive“. Freudenfeiern gab es auch in Marseille und Bordeaux.

Le Pen machte für seine Niederlage den „hysterischen Wahlkampf“ verantwortlich. Alle Medien hätten sich in den Dienst des konservativen Amtsinhabers gestellt. Nach dem starken Abschneiden Le Pens bei der Präsidentschaftswahl will seine Front National der bürgerlichen Rechten bei der Parlamentswahl in allen Wahlbezirken Konkurrenz machen. Le Pen sagte am Wahlabend, er sei „die Stimme der Ausgeschlossenen, Verspotteten und Missachteten“.

Die Wahlbeteiligung lag den Hochrechnungen zufolge bei 80 Prozent, deutlich höher als im ersten Durchgang.

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