Politik : Christen in der Türkei vor Papstbesuch unter Druck

Jeannette Krauth

Berlin - Als der Bischof von Anatolien vor drei Wochen Papst Benedikt XVI. besuchte, fragte der Papst „Gibt es Probleme?“ und Padovese bejahte. Seit 2002 ist er in der Türkei tätig. Jetzt sollte er dem Papst vor dessen Türkeireise von den Konflikten zwischen Islam und Christentum berichten. Ein Priester wurde ermordet. Der Papst hörte zu, ein Buch über den Islam lag auf seinem Arbeitstisch, und anschließend sagte er: „Gut, ich komme, wir vertrauen auf Gott“. So erinnert sich der Bischof von Anatolien an sein Vorgespräch zur Papstreise. Padovese ist zurzeit auf Einladung der Kirche in Not in Deutschland. Am 28. November wird der Papst in der Türkei erwartet, bis zum 1. Dezember bleibt er.

Der Bischof von Anatolien wird ihn vom zweiten Tag seiner Reise an begleiten. Drei Hauptziele sieht er für den Papstbesuch: den Christen Mut zusprechen, die Ökumene zwischen orthodoxen und katholischen Christen voranbringen und den Dialog mit den Muslimen fördern. Der erste Punkt ist dem Bischof besonders wichtig. Denn die Situation für Christen in der Türkei ist in vielen Gebieten schwierig. Im Februar wurde ein Priester erschossen, der 16-jährige Täter von seiner Mutter als Märtyrer bezeichnet. Der Bischof hat einen Leibwächter. Gemeindemitglieder verstecken etwa Kreuzsymbole. Wer Christ ist, darf manche Berufe nicht ausüben: Pilot beim Militär etwa oder Polizist in höherer Laufbahn. „Es gibt viele Leute, die in ihrem Herzen Christen sind“, erklärt Padovese. Doch sie würden ihre Namen ablegen, um nicht ausgestoßen zu werden. Armenische Namen, die oft auf die Silbe „cian“ enden, bekämen etwa typisch türkische Endungen. Waren vor 90 Jahren 30 Prozent der Bevölkerung katholisch, sind es heute 0,2 Prozent.

Nach der umstrittenen Regensburger Rede des Papstes hatte Padovese den Spruch „Wir werden euch alle umbringen“ auf einer Kirchenwand vorgefunden. Dennoch sieht er diese Rede als Chance: Sie sichere die Aufmerksamkeit der türkischen Presse. Er vermutet, dass der Papst sich deutlich auf das Zweite Vatikanische Konzil beziehen wird, das die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen erläutert. Da steht: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten.“ Vom Papst wünscht er sich einen Radiosender: „Wir können unsere Stimme sonst nicht hören lassen.“

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