Christian Lindner : Der Mann, den sie Zugpferd nannten

Am Sonntag will Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen die Ehre der FDP wiederherstellen. Das kann ihm sogar gelingen. Dabei ist der Retter und liberale Star aber nur auf Durchreise.

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Für Christian Lindner ist NRW nur eine Zwischenstation.
Für Christian Lindner ist NRW nur eine Zwischenstation.Foto: dapd

Wenn Christian Lindner besonders überzeugend wirken will, dann benutzt er Wörter wie „felsenfest“ oder noch lieber: „glasklar“. Und überzeugend wollen Politiker oft wirken, um wahre Absichten zu vernebeln. Es ist ein bisschen wie beim Pokern: Man spielt das eigene Blatt runter, um später umso beeindruckender mit drei Assen auftrumpfen zu können. Christian Lindner stünde eine große Karriere bevor, stiege er ins internationale Pokergeschäft ein.

Dieser Christian Lindner war im vergangenen Herbst „felsenfest“ der Überzeugung, vom Amt des Generalsekretärs seiner Partei nicht zurückgetreten zu sein, um seinem Vorsitzenden Philipp Rösler zu schaden. Und „glasklar“ sei, das sagte Lindner etwas später, dass er lieber seinen Job als „technologiepolitischer Sprecher“ der Bundestagsfraktion behalten wolle, als an der Spitze der FDP in Nordrhein- Westfalen in den Wahlkampf zu ziehen.

Bildergalerie: Wie Christian Lindner 2011 als Generalsekretär zurücktrat

Christian Lindner tritt als FDP-Generalsekretär zurück
Abstiegssorgen: Nach dem Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner wird es auch für FDP-Chef Philipp Rösler eng.Weitere Bilder anzeigen
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14.12.2011 13:47Abstiegssorgen: Nach dem Rücktritt von FDP-Generalsekretär Christian Lindner wird es auch für FDP-Chef Philipp Rösler eng.

Letzteres war vor knapp acht Wochen. Jetzt ist Christian Lindner der Vorsitzende dieses größten und einflussreichsten Landesverbandes der FDP, der Techno-Job ist Geschichte, in drei Tagen ist in NRW Wahlsonntag, und Lindner wird als Spitzenkandidat wahrscheinlich schaffen, was noch vor kurzem niemand für möglich gehalten hätte, nämlich die FDP über die Fünfprozenthürde in den Landtag zu hieven.

Es wäre eine kleine politische Sensation, wachte die FDP wirklich aus ihrer monatelangen Todesstarre wieder auf. Es wäre zweifellos Lindners Verdienst. Man kann ihn, wenn man genau hinsieht, schon jetzt erkennen, den blau-gelben Heiligenschein, den die Liberalen ihrem Christian Lindner am Sonntag Punkt 18 Uhr aufsetzen werden, wenn es so kommt. Wie eine Lichtgestalt sähe er aus, wenn der Balken weit über die Fünfprozentmarke hinaus klettert. Sogar von schwarz-gelben Mehrheiten 2013 im Bund wird man mit ihm dann wieder träumen dürfen.

Und dieser Lindner will ab kommendem Montag im Landtag zu Düsseldorf auf der harten Oppositionsbank als Fraktionschef sitzen, „felsenfest“, wie er sagt. Und was will er dort in den nächsten fünf Jahren machen? Über Regeln für Abwasserzweckverbände und den Stellenschlüssel für Landratsämter diskutieren? Wäre es da nicht besser, baldmöglichst nach Berlin zurückzueilen, den ungeliebten Rösler aus dem Amt zu drängen und die ganze FDP zu retten? Nein, sagt Lindner und setzt ein sehr ernstes Pokergesicht auf, das sei nicht sein Ziel. Glasklar.

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