Christian Wulff : "Das Christentum gehört zur Türkei"

Bundespräsident Christian Wulff hat die Türkei aufgerufen, die Rechte der Christen im Land zu verbessern und ihnen freie Religionsausübung zu ermöglichen. Er plädierte zudem für "faire EU-Beitrittsverhandlungen".

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Christian Wulff in Ankara.
Christian Wulff in Ankara.Foto: AFP

„Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei“, sagte Wulff am ersten Tag seines Türkeibesuches in einer Rede vor dem türkischen Parlament in Ankara. In seiner Rede zur deutschen Einheit hatte Wulff gesagt, auch der Islam gehöre zu Deutschland und damit eine heftige Debatte entfacht.

Gleichzeitig ermunterte der Bundespräsident die Türkei zu weiteren Reformen auf dem Weg zur angestrebten EU-Mitgliedschaft und bekannte sich ausdrücklich zu den Beitrittsverhandlungen in Brüssel. Die Türkei habe einen Anspruch darauf, dass die EU-Gespräche „fair und ergebnisoffen“ geführt würden. Für Deutschland gelte, dass geschlossene Vereinbarungen einzuhalten seien.

In der ersten Rede eines Bundespräsidenten vor dem türkischen Parlament verwies Wulff darauf, dass Muslime in Deutschland ihre Religion „in würdigem Rahmen“ ausüben könnten. Dies verdeutliche die steigende Zahl von Moscheen. Die Türkei, auf deren Territorium das Christentum eine lange Tradition habe, müsse Ähnliches auch für die rund 100 000 Christen im Land leisten. So freue er sich über Stimmen in der Türkei, die die Öffnung von mehr Kirchen für Gottesdienste forderten. Kirchenbau und Priesterausbildung müssten möglich sein. „Ich weiß, dass das nicht die Meinung aller hier Anwesenden ist“, sagte Wulff. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül betonte, so wie es muslimische deutsche Staatsbürger gebe, gebe es auch christliche und jüdische Bürger in der Türkei. „Ich bin auch deren Präsident“, sagte Gül.

Wulff verband seinen Hinweis auf die Lage der Christen zudem mit den türkischen EU-Ambitionen: „Die Religionsfreiheit ist Teil unseres Verständnisses von Europa als Wertegemeinschaft.“ Wulff lobte die kürzlich bei einer Volksabstimmung beschlossenen Verfassungsreformen in Ankara als weiteren Schritt hin zu europäischen Standards. „Die Türkei hat die große Chance zu zeigen, dass Islam und Demokratie, Islam und Rechtsstaat, Islam und Pluralismus überhaupt kein Widerspruch sein müssen.“

Neben dem Religionsthema prägte auch die deutsche Integrationsdebatte den Auftakttag von Wulffs viertägigem Besuch. In der Zeitung „Hürriyet“ distanzierte sich der Bundespräsident von CSU-Chef Horst Seehofer, der von kulturell bedingten Problemen von Türken und Arabern bei der Integration in Deutschland gesprochen hatte. Er lehne Pauschalurteile ab, sagte Wulff dazu.

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