Christian Wulff : "Unsere Gesellschaft ist frei und bunt"

Der Bundespräsident Christian Wulff ruft in seiner Weihnachtsrede zu mehr Respekt auf. Bischöf Dröge warnt hingegen vor Schattengesellschaften.

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Christan Wulff bei seiner Weihnachtsansprache, die am 25.12.2010 ausgestrahlt wird.
Christan Wulff bei seiner Weihnachtsansprache, die am 25.12.2010 ausgestrahlt wird.Foto: dpa

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff hat die Bürger zu Zusammenhalt sowie Achtung vor unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen Lebensentwürfen aufgerufen. „Jeder muss spüren: Ich gehöre dazu, ich werde gebraucht“, sagte Wulff in seiner ersten Weihnachtsansprache als Präsident. „Zusammenhalt, Verständigung, Miteinanderauskommen: Das brauchen wir in unseren Familien, in unserem privaten Leben und in unserer ganzen Gesellschaft.“

Das Staatsoberhaupt bekannte sich erneut zur kulturellen Vielfalt Deutschlands. „Unsere Gesellschaft ist frei und bunt“, sagte er. Die Menschen in Deutschland unterschieden sich nach ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Bildung und hinsichtlich ihrer Hoffnungen. „Damit eine Gesellschaft aus so vielfältigen Menschen Bestand hat, brauchen wir vor allen Dingen: Respekt. Respekt vor dem, der anders ist als man selbst“, sagte der Präsident. In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit hatte Wulff den Islam als Teil Deutschlands bezeichnet und damit heftige Debatten ausgelöst.

Auch auf internationaler Ebene ist nach Ansicht des Präsidenten Zusammenhalt und Verständigung notwendig. „Wir zeigen Solidarität und sind bereit, auch künftig Verantwortung zu übernehmen – auch in Europa“, sagte er. Auch die Partner müssten allerdings Verantwortung übernehmen: „Alle müssen ihre Hausaufgaben machen“, mahnte Wulff offenbar mit Blick auf die Debatte um die Stabilität des Euro und überschuldete Haushalte.

Auch der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, Markus Dröge, warb für Offenheit gegenüber Menschen anderen Glaubens. „Muslimische Bürger gehören selbstverständlich zur Gesellschaft“, sagte er dem Tagesspiegel. In einer offenen Gesellschaft könne man die eigene Identität einbringen und über sie diskutieren. Zugleich betonte Dröge, es dürften „keine Schattengesellschaften entstehen, in denen die Menschenrechte nicht mehr gelten“. Kirche und Gesellschaft müssten dagegen vorgehen, „wenn Muslime die Würde von Christen missachten“.

Der Bischof warnte vor einer zunehmenden Desintegration der Gesellschaft. „Ich beobachte, dass das soziale Klima kälter wird und der Druck steigt“, sagte er. So sei die Fremdenfeindlichkeit in der oberen Einkommensgruppe signifikant gestiegen. „Das ist gefährlich“, sagte Dröge. Die durch den früheren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin ausgelöste Debatte nannte Dröge „sehr ärgerlich und schädlich“. Sarrazin habe „dazu beigetragen, dass sich einfacher Vorurteile bilden, um Schuldige zu suchen“.

Die komplette Ansprache des Bundespräsidenten finden Sie am 25.12. ab 18 Uhr hier

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