Christine Haderthauer : Auch Steuerfahndung ermittelt gegen die CSU-Politikerin

Es wird immer enger für Horst Seehofers Staatskanzleichefin. Ein früherer Geschäftspartner widerspricht Christine Haderthauers Darstellung, ihre Modellbaufirma sei ein soziales Projekt gewesen. Jetzt kümmert sich auch die Steuerfahndung um den Fall.

Christine Haderthauer
Christine HaderthauerFoto: imago

In der sogenannten Modellbauaffäre der bayerischen Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) hat sich ein zweiter ehemaliger Kompagnon gegen sie gestellt. Der Ex-Mitgesellschafter ihrer „Sapor Modelltechnik“, Friedrich Sager, widersprach ihrer Darstellung, die Firma habe aus Idealismus gehandelt. Es sei nur darum gegangen, Geld zu verdienen, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Die Therapie der für den Modellbau eingesetzten psychisch kranken Straftäter habe keine Rolle gespielt. Auch sei nie die Rede davon gewesen, dass die gemeinsame Firma einen sozialen Zweck habe. Haderthauer hatte erklärt, ihr Geschäftsmodell sei nicht fragwürdig, sondern im Gegenteil ein „von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art“ gewesen.

"Billige Arbeitskraft war gefragt"

Sager und der ehemalige Mitgesellschafter Roger Ponton, der das Ehepaar Haderthauer wegen Betrugs angezeigt hatte, sagten, es sei wichtiger Teil des Geschäftsmodells gewesen, dass die psychisch kranken Mitarbeiter der Modellbaugruppe extrem niedrige Stundenlöhne erhalten. „Eine billigere Arbeitskraft konnte man nicht bekommen“, sagte Ponton. Die Sapor Modelltechnik hat von psychisch Kranken gefertigte Luxus-Modellautos für zum Teil mehrere tausend Euro verkauft. Ponton erstattete Anzeige gegen das Ehepaar Haderthauer, weil er sich von diesem über die Gewinne getäuscht und deshalb bei seinem Ausstieg 2011 zu niedrig abgefunden fühlt. Die Staatsanwaltschaft München I führt in der Sache deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen die CSU-Politikerin.

Seehofer geht langsam auf Distanz

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält trotz der Vorwürfe an ihr fest, machte aber in dieser Woche bereits ihren Verbleib im Amt von Bedingungen abhängig – dem Ausgang des Ermittlungsverfahrens und eventuellen neuen Enthüllungen:„Wenn etwas Neues auftaucht, was bisher nicht diskutiert wurde, von signifikantem Gehalt, dann wäre das ein Umstand, der einer neuen Bewertung zugeführt werden müsste“, sagte Seehofer am Dienstag nach einer Kabinettssitzung.
Womöglich könnte der Fall bald eintreten. Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ hat sich in den Fall inzwischen auch die Steuerfahndung eingeschaltet. Es gehe um die Frage, ob die Gewinne der Haderthauer-Firma Sapor Modelltechnik gegenüber dem Finanzamt und einem früheren Gesellschafter bewusst geschmälert wurden. Insgesamt gehe es nach Ermittlungen der Steuerfahndung um 1435100 Euro, die das Ehepaar Haderthauer den Behörden wie auch ihrem damaligen Mitgesellschafter Roger Ponton verschwiegen haben könnte. Dem Bericht zufolge hatten Augsburger Fahnder am 21. Mai das Haus der Haderthauers in Ingolstadt durchsucht. AFP/dpa

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