Christine Haderthauer : Die Frau, die in Drachenblut badet

Die unter Betrugsverdacht stehende bayerische Staatskanzleichefin Haderthauer demonstriert nicht demütige Reue, sondern Kampfeslust. Prompt schwindet ihr Rückhalt. Horst Seehofers Geduld scheint zu schwinden.

Es reicht ihm langsam. Horst Seehofer und Christine Haderthauer.
Es reicht ihm langsam. Horst Seehofer und Christine Haderthauer.Foto: dpa

Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) kennt nur eine Haltung: Angriff. Die Frau hat in Drachenblut gebadet, sagt SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen. Haderthauer sagte am Dienstag: „Die Empörungswelle und Skandalhysterie der letzten Wochen werden nach und nach in sich zusammenbrechen, weil sich herausstellen wird, dass nichts von alledem, was da so an Gerüchten und Verleumdungen in die Welt gesetzt wurde, zutrifft“, sagt sie am Dienstag vor einer Kabinettssitzung im Nürnberger Heimatministerium in die Fernsehkameras. Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft München II offizielle Betrugsermittlungen gegen die Ingolstädter CSU-Politikerin eingeleitet.
Doch ob der Gegenangriff die richtige Strategie ist, darf bezweifelt werden. Parteichef Horst Seehofer pflegt mit seinen mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung in der Berufspolitik in solchen Krisen Offenheit gepaart mit Demut zu empfehlen. Doch Haderthauer will ganz offensichtlich nicht die Rolle der reuigen Sünderin spielen. Ihre frühere Beteiligung an der Firma Sapor Modelltechnik, die Modellautos psychisch kranker Straftäter verkauft hatte, sei kein fragwürdiges Geschäft gewesen, sondern ein „von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art“, formuliert sie.
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt anschließend, er habe die Äußerungen seiner Staatskanzleichefin nicht selbst gehört und könne sie auch nicht bewerten. Doch ist ihm anzumerken, dass ihm Haderthauers Strategie nicht passt: „Ich empfehle, da nicht viel drüber zu diskutieren, sondern zur Aufklärung beizutragen.“ Und er stellt Haderthauers Verbleib im Amt erstmals unter doppelten Vorbehalt: Der erste Faktor, den er nennt, ist der Ausgang des Ermittlungsverfahrens. Der zweite: eventuelle neue Enthüllungen.
„Wenn etwas Neues auftaucht, was bisher nicht diskutiert wurde, von signifikantem Gehalt, dann wäre das ein Umstand, der einer neuen Bewertung zugeführt werden müsste.“ Neue Details tauchen derzeit täglich in den Medien auf. So weckt das Bayerische Fernsehen Zweifel an der Darstellung Haderthauers, es habe sich um ein „von Idealismus getragenes Engagement“ gehandelt. Demnach ging Haderthauers Mann Hubert Mitte der 1990er Jahre offenbar davon aus, dass sich hohe Umsätze mit den Modellautos erzielen ließen, die der Dreifachmörder Roland S. und andere psychisch kranke Straftäter hinter den Gittern des Maßregelvollzugs für die Haderthauers anfertigten. Laut BR nannte Hubert Haderthauer in einem Brief Preise pro Modellauto von mehr als 20 000 Mark.

Die Luft wird dünner für sie

In der CSU äußern manche hinter vorgehaltener Hand Kritik am Krisenmanagement. Andere CSU-Landtagsabgeordnete stimmen Haderthauers Einschätzung zu, es handele sich um eine aufgeblasene Empörungswelle.
Doch die Luft wird dünner, wie Seehofers Äußerungen deutlich machen.
In der Nibelungensage ist der Recke Siegfried trotz Bads im Drachenblut an einer Stelle zwischen den Schultern verwundbar geblieben - was ihm letztlich den Tod bringt.
Haderthauer jedenfalls kämpft wie ein Recke, doch verwundet ist sie bereits. Vor Beginn der Kabinettssitzung wird sie von wenigen Dutzend Demonstranten ausgepfiffen, die eigentlich gar nicht wegen ihr gekommen sind. Nach der Kabinettssitzung verlässt sie das Gebäude durch den Hinterausgang. „Ich habe alles gesagt“, sagt sie. (dpa)

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