Christoph Ahlhaus : Auf der Suche nach Popularität

Wie Hamburgs Bürgermeister Ahlhaus versucht, vor der Wahl im Februar an Popularität zu gewinnen.

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Wahlkampf in der Weihnachtszeit – wie das funktioniert, daran versuchen sich gerade die Parteien in Hamburg mit Blick auf die vorgezogenen Bürgerschaftswahlen am 20. Februar 2011. Besonders Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) legt sich, glaubt man den Umfragen, wegen fehlender Sympathie gehörig ins Zeug.

Gibt es für ihn und die Union eine Wahlniederlage, dann wird er als der Bürgermeister mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte Hamburgs eingehen und wohl auch in der parteipolitischen Gunst tief abstürzen. Profitierten Hamburgs Christdemokraten noch bis zur Mitte des Jahres erfolgreich vom Popularitätsbonus des im Sommer zurückgetretenen Ole von Beust, muss sich Ahlhaus die Zuneigung der Hanseaten erst erarbeiten. Dabei will er auch wieder stärker auf eigene Inhalte setzen und das CDU-Profil schärfen, das etwa in der Schulpolitik mit dem verlorenen Volksentscheid zur Einführung einer Primarschule verlorengegangen ist. Der Dialog auf der Straße soll die Rolle des „Kümmerers“ demonstrieren, der Alltagsärger wird zur „Chefsache“ erklärt. So ist Ahlhaus in diesen Tagen beinahe omnipräsent – mal in einem Einkaufscenter, in Obdachlosenunterkünften oder in sozialen Einrichtungen.

Der Bürgermeister schmiedet seine Partei zudem gerade für einen Lagerwahlkampf gegen „Rot-Rot-Grün“ zusammen, nennt die Linken Kommunisten – eine Vokabel, die Beust nicht benutzte. In den jüngsten Umfragen liegt die CDU bei 28 Prozent der Stimmen, während die Sozialdemokraten auf mehr als 40 Prozent enteilt sind – Verhältnisse, die es zuletzt in den neunziger Jahren gegeben hat.

Der am Dienstag als Spitzenkandidat seiner Partei aufgestellte 41-jährige Ahlhaus ist jetzt in die Kritik geraten, weil er eine schillernde Politfigur an seine Seite ins Rathaus berufen hat. Der frühere PR- Manager von Ex-Kanzler Helmut Kohl, Andreas Fritzenkötter, hat dort kurz vor dem Koalitionsbruch den Posten eines Beraters „für politische Grundsatzfragen“ angetreten. Da es nach dem Ausstieg der Grünen aus der Regierung nun für mehrere Wochen zu einem politischen Stillstand in Hamburg kommt, stellt sich die Frage, womit sich der 52-jährige parteilose Journalist für ein Monatsgehalt von 8300 Euro den ganzen Tag beschäftigt. Schließlich ist ihm ein Einsatz für Wahlkampfzwecke untersagt.

Ole von Beust soll unterdessen in die ganz neue Rolle eines Retters schlüpfen. Dem Ruf seiner Partei, im Wahlkampf Seite an Seite mit Ahlhaus aufzutreten, kann sich auch der jahrelange CDU-Heilsbringer nicht entziehen. Wenn man so will, hat er Ahlhaus und seine Mitstreiter durch seinen Rücktritt erst ins Hintertreffen gebracht.

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