Politik : Christoph Rauch ist einschlägig bekannt

Holger Stark

Die Herren Hooligans kamen nicht irgendwie zur Fußball-Weltmeisterschaft - sie flogen. Denn Christopher Rauch, der nun in Essen für den Überfall auf den französischen Polizisten Daniel Nivel vor Gericht steht, gehört zur "High Society" der Berliner Hooligans. Zu denen, die Geld haben. Und zu denen, "die die Verabredungen treffen", wie ein Berliner Polizist vor Gericht ausgesagt hat. Rauch zählt zum harten Kern der Anhänger des ehemaligen Mielke-Klubs BFC Dynamo. Die Dynamo-Fans, gut trainiert und hart im Nehmen und Geben, sind bei Szene-Kennern gefürchtet. Obwohl sich der mehrfach umbenannte Klub sportlich nur in der Regionalliga über Wasser hält, umfasst das Potenzial der Kategorie "C" im Umfeld von Dynamo 200 bis 300 Anhänger. In dieser Kategorie werden die gewaltbereiten Fans erfasst, die ein Fall für die Polizei sind.

Zu ihnen gehörte auch Christopher Rauch schon vor dem Angriff von Lens. Die Berliner Polizei hatte die französischen Sicherheitskräfte über die zentrale Hooligan-Koordinationsstelle in Düsseldorf gewarnt: Aus Berlin kämen mit Rauch rund ein Dutzend harter Schläger, die meisten einschlägig polizeibekannt. In Lens verlor sich dann die Berliner Spur.

Rauch fiel der Polizei schon öfter auf. Einmal nahmen die Beamten 25 Hauptstadt-Hooligans des BFC Dynamo vorbeugend in Gewahrsam. Die "Hools" waren auf dem Weg nach Rostock, nach Erkenntnissen der Ermittler war eine Schlägerei verabredet. Unter den Festgenommenen: Christopher Rauch. Trotz seiner Jugend - Rauch ist 1975 geboren - ist sein Ruf in der Szene beeindruckend. Er gilt als körperlich gut trainiert, aber nicht als dumpfer Schläger. Führungspersönlichkeiten wie ihn, sagt die Polizei, gibt es nur wenige. In den Stadien kennt man ihn in sportlich-dynamischem Outfit. Vor Gericht tritt er in tadellos sitzendem Anzug auf, mit Krawatte, Brille, ordentlich gekämmten Haaren und auffälliger Uhr. Imagewechsel. Nach einem seiner Auftritte sagte ein verblüffter Ermittler: "So habe ich ihn noch nie gesehen." Offiziell ist der Elektriker als arbeitslos registriert. Gleichwohl verfügt er über genügend Geld - nach Erkenntnissen der Ermittler stammt ein Teil davon aus Drogengeschäften. Ecstasy. Bei der Berliner Polizei besteht unabhängig von den Krawallen in Lens ein Haftbefehl wegen des Handels mit illegalen Drogen.

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