Politik : Christoph Zöpel folgt Günter Verheugen als Staatsminister im Auswärtigen Amt nach

Klaus J. Schwehn

"Verheugen wirft Zöpel mangelnde Disziplin vor." Diese Schagzeile stammt aus der Zeit, da Rudolf Scharping SPD-Vorsitzender war, Verheugen Bundesgeschäftsführer und der Verkehrspolitiker Zöpel sich im Zorn, im Mai 1994, aus des SPD-Chefs Wahlkampfteam zurückzog. An diesen Zoff und andere "Fetzereien" erinnerte der frisch gebackene Brüsseler Kommissar und bisherige Staatsminister im Auswärtigen Amt mit Schmunzeln, als eben dieser Zöpel am Freitag von Außenminister Joschka Fischer als sein Nachfolger vorgestellt wurde. Verheugen: "Zöpel ist ein Nachfolger nach Maß."

Derlei vollzog sich am Freitag im Bonner Auswärtigen Amt: Fischer übertrug den Stab des Staatsministers von Verheugen auf Zöpel, verabschiedete den beamteten Staatssekretär Hans-Friedrich von Plötz als Botschafter nach London und begrüßte dessen Nachfolger im Amt, den bisherigen Politischen Direktor Gunter Pleuger. Und er gab zugleich im überfüllten Saal den Startschuss zum Umzug des Auswärtigen Amtes nach Berlin.

Der Minister zog vor den Mitarbeitern Bilanz des ersten Amtsjahres in einem Satz: "Ich hatte es mir schwer vorgestellt, aber alle Erwartungen sind übertroffen worden." Er erinnerte an den Kosovo-Konflikt, an die EU-Präsidentschaft, an die Agenda 2000 und zog den Schluss: "Es war ein Jahr historischer Veränderungen." Dass in dieser Zeit "der Herr Kommissar, der liebe Günter" als Staatsminister die europäischen Angelegenheiten verlässlich und kenntnisreich voran gebracht habe, rechtfertige die Würdigung: "Du hast Europa gemacht." Dass Fischer trotz aller außen- und europäischen Erfolge im abgelaufenen Jahr eine Sorge umtreibt, ließ er wieder deutlich werden: Für die Parteien, die Fraktionen, weite Teile der Bevölkerung, sei "die Rolle des vereinten Deutschland in der Welt noch nicht gefunden". Auch die Debatten um Ost-Timor zeigten es: "Eine neue Gesamtorientierung ist gefordert."

Hier hakte der scheidende Staatsminister mit Blick auf das Sparpaket der Bundesregierung ein, als er mahnte, "das Land tut nicht gut daran, wenn der Auswärtige Dienst verkürzt" werde. Die Regierung solle - und sein grinsender Blick richtete sich auf Fischer - die "Schlankheitskuren" nicht übertreiben. Auch er sei in Sorge, wenn er sehe, welchen Stellenwert die Außenpolitik bei den Parteien einnehme. Verheugen riet zu einer Außenpolitik, "selbstbewusst und maßvoll, entschieden und klug".

Dem "Schlesier und Beutepreußen" Christoph Zöpel, der heute in NRW verwurzelt ist und zuletzt als außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion tätig war, gaben Fischer und Verheugen schließlich noch ein paar Tipps mit ins neue Amt. So riet der Minister "zu einer gewissen Milde im Umgang mit der Rationalität", wenn auf europäischer Ebene Kompromisse ausgehandelt würden. Die Arbeit sei oft ermüdend, zugleich aber faszinierend.

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