Politik : „Christus öffnet die Türen für den Papst“

Zehntausende Gläubige in Rom und Millionen weltweit beten für Johannes Paul II.

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Mit einem feierlichen Rosenkranzgebet haben mehr als 60 000 Gläubige am Freitagabend auf dem Petersplatz Abschied genommen von Johannes Paul II. Zwar dementierte der Vatikan die ersten Todesmeldungen noch; nach einem allgemeinen Organversagen bestand für den fast 85jährigen Papst jedoch keine Überlebenshoffnung mehr. Vatikanbischof Angelo Comastri sagte: „Noch diesen Abend oder diese Nacht öffnet Christus die Türen für den Papst.“ Schon am Morgen hatte der polnische Kardinal Andrej Maria Deskur, ein enger Freund des Papstes, gesagt: „Er dämmert friedlich weg.“

Das Fenster des Arbeitszimmers, von dem aus Johannes Paul II. sich in seinen mehr als 26 Jahren Amtszeit mindestens einmal pro Woche den Gläubigen gezeigt hat, war hell erleuchtet. Schon bei einem großen Gottesdienst um 19 Uhr hatte Kurienkardinal Camillo Ruini in der Lateranbasilika gesagt: „Johannes Paul II. sieht und berührt den Herrn bereits.“

Der Zustand Johannes Pauls II. hatte am Donnerstag Abend begonnen, sich massiv zu verschlechtern. Aufgrund einer Harnwegsinfektion, teilte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls mit, leide er an hohem Fieber und einer Blutvergiftung. Nach einem Herz-Kreislauf-Kollaps versagten am Freitag Abend zuerst die Nieren. Navarro-Valls, der am Mittag versichert hatte, der Papst sei „extrem gelassen und bei vollem Bewusstheit“, erklärte später, „mit sichtbarer Beteiligung“ schließe sich der Papst „dem fortwährenden Gebet der Menschen an, die ihm helfen“. Andererseits wurden Meldungen, denen zufolge Johannes Paul II. am frühen Abend das Bewusstsein verloren hatte, nicht mehr dementiert. Gegen 19.30 begannen die Glocken der Peterskirche zu läuten – zum Zeichen, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche im Sterben lag.

Befremden löste am Freitag Nachmittag das tägliche Bulletin des Vatikans aus. In ihm wurde mitgeteilt, der todkranke Papst habe ein Dutzende neuer Bischöfe und Apostolischer Botschafter ernannt. Viele der Personalentscheidungen waren angeblich bereits vor einer Woche getroffen worden. Warum sie erst jetzt bekannt gegeben wurden, ist offen. Seit Wochen hatte der Vatikan den Eindruck vermittelt, als übe der Papst seine Amtsgeschäfte noch aus.

Johannes Paul II. hatte sich zuletzt am Mittwoch der Öffentlichkeit gezeigt. Vom Fenster seines Arbeitszimmers aus segnete er die Gläubigen. Es gelang ihm aber wie beim Segen „Urbi et Orbi“ am Ostersonntag nicht mehr, zu sprechen. Statt dessen wirkte er sehr aufgeregt; seine Bewegungen waren in dramatischer Weise unkoordiniert; schwere Hustenanfälle plagten ihn, und sein Gesicht war von offenbar großen Schmerzen verzerrt.

Der Papst litt seit mehr als zwölf Jahren an der Parkinsonschen Krankheit. Aufgrund einer Luftröhrenentzündung und der krankheitsbedingten, zunehmenden Schluck- und Atembeschwerden war er am 1. Februar ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach dem zweiten Aufenthalt dort, sagte Vatikan-Sprecher Navarro-Valls am Freitag, habe der Papst gegen den Rat der Ärzte gebeten, im Vatikan, also „zuhause“ bleiben zu dürfen. „Dieser Wunsch wurde respektiert.“

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