Chronologie : Der Fall Litwinenko

Ein Giftmord wie aus einem Agentenkrimi: die Hintergründe des mysteriösen Falls liegen immer noch im Dunkeln. Was bisher geschah.

1. November

: Litvinenko trifft in London drei Russen zum Tee in einem Londoner Hotel. Später kommt Litvinenko mit dem italienischen Kontaktmann Mario Scaramella in einer Sushi-Bar zusammen. Kurz darauf erkrankt Litvinenko.

16. November: Die britische Polizei wird informiert, dass Litvinenko mit lebensbedrohlichen Symptomen im Krankenhaus liegt.

19. November: Britische Zeitungen berichten über eine Vergiftung Litvinenkos. Zunächst wird das radioaktive Thallium als Ursache vermutet.

20. November: Die Polizei ermittelt wegen Vergiftung. Die Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard schaltet sich ein. Litvinenko wird auf die Intensivstation verlegt. Der russische Geheimdienst weist Anschuldigungen zurück, er habe mit der Sache etwas zu tun.

21. November: Scaramella meldet sich zur Wort und bezeichnet sich und Litvinenko als hoch gefährdete Personen.

23. November: Litvinenko stirbt, die Todesursache ist weiter unklar.

24. November: In einem Abschiedsbrief macht Litvinenko den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seinen Tod verantwortlich. Dieser erklärt, der Fall werde für "politische Provokationen" genutzt. Erstmals wird der Verdacht geäußert, es könnte sich um eine Vergiftung durch Polonium 210 handeln; Spuren davon werden in Litvinenkos Londoner Wohnung, in dem Hotel und der Sushi-Bar gefunden, die er besucht hatte.

25. November: Der Italiener Scaramella beschuldigt ebenfalls den Kreml, hinter dem Fall zu stecken.

28. November: Der britische Premier Tony Blair verspricht eine umfassende Aufklärung des Litvinenko-Todes.

29. November: Ermittler finden in zwei Passagiermaschinen der Fluggesellschaft British Airways radioaktive Rückstände; später stellt sich heraus, dass der ehemalige KGB-Agent Andrej Lugowoi, der Litvinenko in London zum Tee getroffen hatte, in einer der beiden Maschinen von London nach Moskau geflogen war.

1. Dezember: Auch bei Scaramella wird eine Polonium-Verseuchung nachgewiesen, offenbar aber weniger gravierend als bei Litvinenko.

4. Dezember: Britische Experten reisen zu Ermittlungen nach Moskau. Der russische Außenminister Sergej Lawrow beklagt, eine "Kampagne" über eine angebliche Verwicklung russischer Behörden in den Tod von Litvinenko schade den britisch-russischen Beziehungen.

5. Dezember: Die russischen Behörden schließen die Auslieferung von Verdächtigen im Fall Litvinenko aus.

6. Dezember: Beamte von Scotland Yard und der russischen Generalstaatsanwaltschaft verhören in Moskau Dimitri Kowtun, der ebenfalls zu den Teilnehmern des Treffens mit Litvinenko in der Londoner Hotelbar gehört hatte. Die britische Polizei betrachtet den Tod Litvinenkos jetzt offiziell als Mord.

9. Dezember: Spezialisten des Bundeskriminalamtes finden in einer Wohnung in Hamburg-Ottensen Hinweise auf eine Kontamination, als deren Ursache sich später Polonium herausstellt. Es handelt sich um die Wohnung der Ex-Frau von Kowtun, der vor seinem Flug nach London in der Hamburger Wohnung übernachtet hatte. Weitere mögliche Polonium-Spuren werden im Haus von Kowtuns Ex-Schwiegermutter in Haselau (Kreis Pinneberg) sowie in der Hamburger Ausländerbehörde gefunden, wo der Russe eine Unterschrift geleistet hatte.

10. Dezember: Die deutschen Behörden geben bekannt, dass gegen den früheren russischen Geheimdienstagenten Kowtun wegen Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen ermittelt wird.

11. Dezember: Ein Beamter von Scotland Yard trifft in Hamburg ein, um die deutschen Behörden bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. (tso/AFP)

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