Chronologie : Der Weg zur großen Koalition

2.2.2005

:
Schock. Die Bundesagentur für Arbeit gibt bekannt: Im Januar erstmals mehr als fünf Millionen Arbeitslose.

17.3.2005:
Aus, aus, aus und noch mal aus. In Schleswig-Holstein verfehlt Heide Simonis in tragischen vier Wahlgängen die Mehrheit. Peter Harry Carstensen wird am 27. April Regierungschef.

22.5.2005:
Schicksalswahl. Die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen haben den Stein ins Rollen gebracht. Die SPD erzielte ihr schlechtestes Ergebnis seit 54. Am Abend kündigten Müntefering und Schröder an, dass sie sich für Neuwahlen einsetzen würden. In Düsseldorf räumt Steinbrück den Platz für Rüttgers.

1.7.2005:
Eine entscheidende Frage. Bundeskanzler Schröder stellt im Bundestag die Vertrauensfrage. Wie angestrebt, erhält er keine Mehrheit. Allerdings hat Schröders Weg, Neuwahlen zu erzielen, für großen Unmut beim Koalitionspartner und den eigenen Leuten gesorgt. Wie sollte man jemandem das Vertrauen absprechen, dem man doch folgen möchte?

21.7.2005:
Ein Wort. Bundespräsident Horst Köhler löst den Bundestag auf und setzt Neuwahlen an.

17.8.2005:
Auftritt. Angela Merkel stellt ihr "Kompetenzteam" vor. Mit diesen Damen und Herren wollte sie regieren. Später kam es etwas anders.

25.8.2005:
Das letzte Wort. Das Bundesverfassungsgericht urteilt über zwei Klagen von Bundestagsabgeordneten, die die Entscheidung Köhlers zugunsten von Neuwahlen als verfassungswidrig darstellen. Die Richter weisen die Klagen ab. Damit ist der Weg für die Wahl am 18. September endgültig frei.

4.9.2005:
Nur 90 Minuten. Beim einzigen TV-Duell in diesem Bundestagswahlkampf treffen Kanzler Schröder und Kanzlerkandidatin Merkel direkt aufeinander. Nach den Umfragen ist Schröder der Sieger, doch auch Merkels Werte sind nach dem weitgehend sachlichen Streitgespräch besser als vorher.

18.9.2005:
Elefantenrunde. Die Wahl geht denkbar knapp aus. Keines der beiden Lager hat die notwendige Mehrheit. Am Wahlabend spricht Kanzler Schröder CDU-Chefin Merkel in der so genannten Elefantenrunde die Befähigung für das höchste Regierungsamt ab. "Sie werden es nicht", sagt er.

20.9.2005:
Farbenfroh. Die Wahl bringt keine klaren Verhältnisse. Kurz ist auch eine schwarz-gelb-grüne Koalition im Gespräch - nach den Nationalfarben des Karibikstaats Jamaika-Koalition genannt.

10.10.2005:
Und sie wird es doch. Union und SPD haben sich auf eine entscheidende Personalie geeinigt: Angela Merkel soll die erste Kanzlerin Deutschlands werden. Gerhard Schröder entscheidet sich, nicht Vizekanzler zu werden, obwohl viele der Genossen ihn deutlich dazu auffordern, ihn bitten, in der Regierung zu bleiben: "Das ist nicht meine Lebensplanung", sagt er.

12.10.2005:
Abschied. Bei einem Treffen mit den Gewerkschaftern IG Bergbau, Chemie und Energie sagte Schröder - mit Tränen in den Augen - er werde einer künftigen Regierung definitiv nicht mehr angehören.

17.10.2005:
Ein Team. Angela Merkel stellt die designierten Unionsminister vor: de Maizière (CDU, Bundeskanzleramt), Jung (CDU, Verteidigung), von der Leyen (CDU, Familie), Seehofer (CSU, Landwirtschaft), Stoiber (CSU, Wirtschaft), Schavan (CDU, Bildung), Schäuble (CDU, Innen). Stoibers Platz übernimmt drei Wochen später Glos (CSU).

18.10.2005:
Neue Runde. Erste Sitzung des neuen Bundestags: Norbert Lammert von der CDU wird mit deutlicher Mehrheit zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt. Unmut bei der Opposition gibt es, weil die SPD-Fraktion zwei statt wie bislang üblich nur einen Vizeposten bekommt. Linksparteichef Lothar Bisky fällt in drei Wahlgängen für einen Vizeposten durch.

31.10.2005:
Aufgegeben. Franz Müntefering kündigt seinen Rückzug vom SPD-Vorsitz an. Grund: Sein Kandidat für den Posten des Generalsekretärs fällt im Parteivorstand durch, das Gremium spricht sich für die Linke Andrea Nahles aus.

1.11.2005:
Zurück. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber kündigt überraschend an, er werde nicht Wirtschaftsminister einer schwarz-roten Koalition.

2.11.2005:
Ein ganz Neuer. Die SPD nominiert Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck als Parteichef. Er wird flügelübergreifend als Integrationsfigur gelobt. Stellvertreter sollen Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, der designierte Finanzminister Peer Steinbrück und Baden-Württembergs Landeschefin Ute Vogt werden.

8.11.2005:
Durchgefallen. Linksparteichef Lothar Bisky fällt bei der Wahl zum Vizepräsidenten des Bundestags zum vierten Mal durch. Er bekommt 249 von 595 abgegebenen Stimmen. 310 Abgeordnete votieren mit Nein. Bisky war bei der konstituierenden Bundestagssitzung am 18. Oktober in drei Wahlgängen gescheitert. Seine Fraktion beschließt, den Vizeposten unbesetzt zu lassen.

11.11.2005:
Die Koalition steht. Abends treten Merkel, Müntefering, Stoiber und Platzeck vor die Presse und verkünden die Einigung auf einen Koalitionsvertrag. Union und SPD haben vier Wochen lang miteinander verhandelt.

14.11.2005:
Die Parteien folgen. Die Parteitage von CDU, CSU und SPD geben dem Koalitionsvertrag ihr Ja-Wort. Der Unmut fällt weitaus leiser aus als gedacht. Bei der CSU wird der Vertrag sogar einstimmig gebilligt..

22.11.2005:
Ihr Ziel. Es werde noch ein bisschen dauern, bis sie sich freue, hat Angela Merkel am 11.11. gesagt - jetzt könnte es so weit sein: Sie soll Kanzlerin werden. (tso/Tsp)

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