Chronologie : Die Ermittlungen nach den Bombenfunden

Seit Ende Juli halten die fehlgeschlagenen Bombenanschläge in zwei Regionalzügen die Öffentlichkeit und vor allem die Bahnfahrer in Atem. Eine Dokumentation der Ermittlungen.

31. JULI, KÖLN

: Zwischen 12.40 und etwa 13.00 Uhr filmt eine Überwachungskamera an Gleis 3 des Hauptbahnhofs zwei südländisch aussehende Männer, die schwere Trolley-Koffer hinter sich herziehen - einer der Männer trägt ein Sportshirt mit der Rückennummer 13. Im Abstand weniger Minuten fahren nacheinander der Regionalexpress 10121 Aachen-Hamm und die Regionalbahn 12519 Mönchengladbach-Koblenz in das Gleis ein. Die Männer deponieren die Rollkoffer der Marken "e-go" und "Sunpeak" in den beiden Zügen; dort werden die herrenlosen Gepäckstücke knapp zwei Stunden später gefunden und von Zugbegleitern auf den Hauptbahnhöfen von Dortmund und Koblenz abgegeben.

1. AUGUST, DORTMUND: Polizei und Staatsanwaltschaft berichten, dass der Dortmunder Koffer einen selbst gebastelten Sprengsatz enthielt: In dem Gepäckstück wurden eine Propangasflasche, eine Zündvorrichtung, Flaschen mit Brandbeschleuniger, Drähte und Batterien gefunden. Kurz danach wird bekannt, dass sich auch in dem Koblenzer Koffer ein baugleiche Bombe befand. Daraufhin übernimmt die Bundesanwaltschaft den Fall und beauftragt das Bundeskriminalamt (BKA) mit den Ermittlungen. Zunächst schweigen die Behörden über ihre Nachforschungen; in den folgenden Tagen gibt es erste Medienberichte über Spuren in den Libanon, aber auch über eine angebliche Bahn-Erpressung als Motiv der Bombenleger.

18. AUGUST, WIESBADEN: Das BKA geht in die Offensive und veröffentlicht Fahndungsfotos der beiden Bombenleger vom Kölner Hauptbahnhof. Erst jetzt wird auch das Ausmaß der Bedrohung offenkundig: Die Sprengsätze in beiden Zügen waren gezündet worden und wegen eines Fehlers beim Bombenbau nicht detoniert. Die Attentäter wollten die Bomben offenbar am 31. Juli zeitgleich um 14.30 Uhr hochgehen lassen - bei der Explosion auf freier Strecke hätte es nach Einschätzung des BKA mit großer Wahrscheinlichkeit Tote und Verletzte gegeben. Die Ermittler bestätigen außerdem Spuren in den Libanon: In den Koffern wurden unter anderem aus dem Libanon importierte Speisestärke sowie ein Einkaufzettel in arabischer Sprache mit einer libanesischen Telefonnummmer gefunden. Nach den Attentätern fahnden 100 BKA-Beamte.

19. AUGUST, KIEL: Nach einem Hinweis des libanesischen Nachrichendienstes wird einer der mutmaßlichen Bombenleger von Köln auf dem Kieler Hauptbahnhof festgenommen. Der 21-jährige Libanese Youssef Mohamad E. H., der zur Tatzeit das T-Shirt mit der Rückennummer 13 getragen hatte, wollte sich nach Veröffentlichung der Videobilder absetzen. Zuvor hatte der in Kiel lebende Mann telefonischen Kontakt mit dem Libanon. Das Gespräch wurde aber offenbar abgehört.

20. AUGUST, KARLSRUHE: Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erlässt Haftbefehl gegen den Festgenommenen. Youssef Mohamad E. H. wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, vielfacher Mordversuch und versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen.

22. AUGUST, KÖLN: Die Bundesanwaltschaft bestätigt, dass der zweite mutmaßlichen Bombenleger identifiziert ist. Der weiter flüchtige Mann wohnte zuletzt in Köln; seine Wohnung wird durchsucht. Einzelheiten teilte Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit. Nach Medienberichten soll es sich bei dem zweiten Mann auf dem Videofilm um einen 20-Jährigen Libanesen handeln, der sich womöglich ins Ausland abgesetzt hat. (tso/AFP)

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