CIA-Affäre : Italienischer Geheimdienst-Chef angeklagt

Vier Jahre nach der Entführung eines Imams in Italien hat die Mailänder Justiz Anklage gegen 26 CIA-Agenten erhoben. Der Betroffene fordert von Silvio Berlusconi 10 Millionen Euro Schadenersatz.

Mailand - Die Richterin Caterina Interlandi setzte in Mailand den Prozessbeginn für den 8. Juni fest. Auch der ehemalige Chef des italienischen Militärgheimdienstes SISMI, Nicolo Pollari, der seinen Posten im November wegen seiner Verwicklung in die Affäre aufgeben musste, wurde angeklagt. Der verschleppte Imam, Osama Mustafa Hassan alias Abu Omar, wurde nach eigenen Aussagen in Ägypten gefoltert und will den italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf zehn Millionen Euro Schadenersatz verklagen.

In dem Fall werden insgesamt 35 Verdächtige beschuldigt, darunter die ehemaligen Verantwortlichen der CIA in Italien, Jeff Castelli und Robert Seldon Lady, sowie die ehemalige Nummer Zwei des SISMI, Marco Mancini. Es ist das erste Mal, dass sich so viele US-Geheimagenten vor dem Gericht eines verbündeten Landes verantworten müssen. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass der Prozess gegen sie in Abwesenheit geführt wird.

Mehrheit der Agenten hält sich vermutlich in den USA auf

Nach Berichten italienischer Medien agiert die Mehrheit der 26 CIA-Agenten unter falschem Namen und hält sich gegenwärtig in den USA auf. Das italienische Justizministerium hat ihre Auslieferung noch nicht beantragt. Vor rund zwei Wochen hatte die deutsche Justiz Haftbefehl gegen 13 CIA-Agenten erlassen. Sie werden beschuldigt, 2003 den Deutsch-Libanesen Khaled al Masri in Mazedonien entführt zu haben.

Der unter Terrorverdacht stehende Mailänder Imam Abu Omar war am 17. Februar 2003 von einem CIA-Kommando mit Hilfe italienischer Agenten verschleppt worden. Vom US-Luftwaffenstützpunkt Aviano in Norditalien wurde er unter strenger Geheimhaltung nach Ägypten gebracht. Er gibt an, dort im Gefängnis misshandelt worden zu sein. Abu Omar war am Sonntag von den ägyptischen Behörden freigelassen worden. (tso/AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar