Politik : CIA-Akten dokumentieren Mordkomplott gegen Castro

Christoph von Marschall[Washington]

Sie nennen sie die „Familienjuwelen“: 702 Seiten einst hochgeheimer Dokumente über Attentatsversuche auf Fidel Castro und andere feindliche Führer, Gehirnwäscheexperimente und die Ausspähung von Journalisten in den frühen Jahren der CIA. Am Dienstag wurden diese Unterlagen in den USA veröffentlicht. CIA-Chef Michael Hayden nannte die neue Offenheit „Teil unseres Gesellschaftsvertrags mit dem amerikanischem Volk, damit die, denen wir dienen, besser verstehen, wie kompliziert Geheimdienstarbeit ist“. Er zog eine scharfe Trennungslinie zwischen „illegalen“ Praktiken der Vergangenheit und heutigen Operationen, die sich alle ans Recht hielten.

Die jetzt veröffentlichten 702 Seiten bieten nach dem ersten Eindruck nur einen kleinen Einblick in Operationen, die zum Großteil bereits bekannt waren. Die Geheimdienstexperten der US-Medien werden einige Tage brauchen, um herauszufinden, ob neue Details enthalten sind. Die Dokumente betreffen zum Beispiel einen Plan vom August 1960, Kubas Staatschef Fidel Castro umzubringen. Nur ein kleiner Kreis sei eingeweiht gewesen. Der von 1961 bis 1963 amtierende Präsident John F. Kennedy hatte betont, er habe solche Pläne nie abgesegnet. Fidel Castro hatte gesagt, auch er glaube nicht, dass Kennedy ihm nach dem Leben trachte, wohl aber kalte Krieger bei der CIA. Mafia-Mitglieder erhielten den Auftrag, Castro zu vergiften. Weitere Attentate richteten sich 1961 gegen Rafael Trujillo, Präsident der Dominikanischen Republik, und 1960 gegen Patrice Lumumba, damals Regierungschef der Demokratischen Republik Kongo.

Das „Project Mockingbird“ 1963 betraf zwei Washingtoner Journalisten, die über geheime CIA- Operationen berichteten. Durch Abhören ihrer Telefone wollte die CIA ihre Quellen enttarnen. Justizminister Robert Kennedy und Verteidigungsminister Robert McNamara waren angeblich eingeweiht.

Die Unterlagen zeichnen eine Atmosphäre von Existenzangst angesichts einer überzeichneten kommunistischen Gefahr, internem Misstrauen und Verschwörungstheorien. Ein russischer Überläufer von 1964, Juri Nosenko, wurde drei Jahre lange in Geheimgefängnissen gequält wegen des Verdachts, Russlands Geheimdienst KGB habe ihn eingeschleust. Nachdem in den 70er Jahren mehrere CIA-Skandale ans Licht kamen, wurde die parlamentarische Kontrolle verschärft. US-Medien bezweifeln in ihren Berichten, dass die CIA sich heute an Recht und Gesetz hält.

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