CIA-Entführter : Al Masri gesteht Brandstiftung

Der nach einer Brandstiftung ins Krankenhaus eingewiesene Deutsch-Libanese Khaled al Masri hat über seinen Anwalt die Brandstiftung gestanden.

Memmingen/Neu-Ulm - Sein Mandant sei ein "psychisches Wrack" und könne sich derzeit nicht äußern, sagte Rechtsanwalt Manfred Gnjidic. Der 43-Jährige, der wegen seiner Entführung durch die CIA nach Afghanistan bekannt wurde, habe sich bislang nicht selbst geäußert, sagte der Leitende Staatsanwalt Johann Kreuzpointner in Memmingen. Jetzt sei es wichtig für die mit einer intensiven Begutachtung des Patienten beauftragten Ärzte, Zugang zu Al Masri zu finden. "Ohne Reden ist das nicht machbar. Wenn Al Masri schwer traumatisiert ist, kann das lange dauern", sagte Kreuzpointner.

Al Masri hatte am Donnerstag gegen vier Uhr einen Supermarkt in Neu-Ulm mit Benzin angezündet. Der Tat ging nach Angaben des Anwalts ein wochenlanger Streit um die Rückgabe eines defekten Musikabspielgeräts voraus. "Wir sehen hier exemplarisch, was passieren kann, wenn man Folteropfer nicht behandelt, sondern allein lässt", sagte Gnjidic. Der Glaubwürdigkeit seines Mandanten, der nach eigenen Angaben 2004 vom US-Geheimdienst CIA nach Afghanistan verschleppt und gefoltert wurde, habe die Tat nicht geschadet.

Die Staatskanzlei in München bestätigte unterdessen den Eingang eines Hilfsersuchens von Al Masris Anwalt. Gnjidic hatte nach eigenen Angaben vor zwei Wochen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um zusätzliche Hilfe gebeten. Al Masri sei nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2004 zu lange unbehandelt geblieben. Das Kanzleramt habe das Ersuchen an die Bayerische Staatskanzlei weitergeleitet, wo es auch am Freitagabend vor einer Woche eingegangen sei, bestätigte Regierungssprecher Karl-Michael Scheufele am Freitag. Der Anwalt habe zwar dringlich um "bestmögliche Psychotherapie" für das Folteropfer gebeten, aber kaum konkrete Anhaltspunkte gegeben. Die Ministerien für Inneres, Gesundheit sowie Soziales seien daraufhin gebeten worden, Hilfsmöglichkeiten zu prüfen.

Stadler glaubt Al Masri weiter

Der FDP-Innenexperte Max Stadler sieht durch die Brandstiftung ebenso wie Al Masris Anwalt die Glaubwürdigkeit des Deutsch-Libanesen im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages nicht erschüttert. Dass dieser entführt und gefoltert worden ist, sei von der Münchner Staatsanwaltschaft geprüft und für glaubwürdig befunden worden, sagte Stadler dem Hörfunksender Antenne Bayern. Noch wisse man nicht, ob die Brandstiftung psychische Ursachen habe.

Bei der Haftvorführung Al Masris hatte der Sachverständige auf der Basis bekannter Tatsachen für eine Einweisung in eine psychiatrische Abteilung entschieden. Dabei hätte die Entführung durch die CIA ebenso eine Rolle gespielt wie ein Angriff auf einen Projektleiter im Rahmen einer Weiterbildung und Al Masris aggressives Verhalten im Großhandelsmarkt vor der Brandstiftung. Im Ulmer Zentrum für Folteropfer sei Al Masri eine "posttraumatische Belastungsstörung" attestiert worden. Jetzt soll er von Ärzten intensiv begutachtet werden. (tso/dpa)

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