Politik : CIA in der Kritik: Hat der Geheimdienst versagt?

cal/mfk

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon wird in den USA Kritik am Geheimdienst CIA laut. Obwohl der Kongress dem Präsidenten den Rücken stärkte, äußerten sich viele Abgeordnete entsetzt, dass der schlimmste Terrorangriff auf die USA so möglich war. "Das ist doch ein zweites Pearl Harbor. Ich glaube nicht, dass ich übertreibe", sagte der republikanische Senator Chuck Hagel unter Anspielung auf den Angriff der japanischen Luftwaffe, der die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg unvorbereitet traf.

"Das ist fast so, als hätte es keinen Nachrichtendienst gegeben", kritisierte der Republikaner Curt Weldon, Mitglied im Streitkräfte-Ausschuss des Repräsentantenhauses. "Diese massive Operation wurde durch ein Versagen aufgrund fehlender Mittel möglich. Unsere Regierung hat das amerikanische Volk im Stich gelassen."

Zum Thema Online Spezial: Terror gegen Amerika
Fotostrecke I: Der Anschlag auf das WTC und das Pentagon
Fotostrecke II: Reaktionen auf die Attentate
Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Reaktionen: Weltweites Entsetzen
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Die Kritiker spekulierten darüber, ob die ausgefeilte Abhörelektronik der USA möglicherweise in diesem Fall von raffinierten Terroristen genutzt worden war, um den US-Geheimdienst in die Irre zu führen. Offenbar hatten US-Behörden seit Monaten Terroranschläge erwartet, aber nicht auf amerikanischem Boden. Die US-Agentur Knight Ridder News zitierte einen Regierungsmitarbeiter: "Es gab haufenweise Material, aber alles deutete auf einen Angriff woanders hin."

Unterdessen zeigten sich israelische Terror-Experten in zweifacher Hinsicht überrascht von den Terroranschlägen in New York und Washington: Einerseits von deren gewaltigem Ausmaß und anderseits der Tatsache, dass es den amerikanischen Geheimdiensten nicht gelungen sei, die umfangreiche Aktion rechtzeitig aufzudecken. Der Terror-Experte Ariel Merari von der Universität Tel Aviv wies auf Bin Ladn als wahrscheinlichsten Täter hin. Auf jeden Fall werde der Verantwortliche schnell ermittelt sein, selbst wenn er die Täterschaft bestreite.

In Deutschland konnte Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeyer am Mittwoch nur bestätigen, dass westliche Geheimdienste keine gezielten Hinweise auf die Anschläge in New York und Washington hatten. Selbst die US-Geheimdienste hätten zwar "gewisse Sorgen", aber keine echten Indizien gehabt, sagte der Geheimdienstkoordinator. Wenn überhaupt, sei man von Anschlägen auf amerikanische Kriegsschiffe im Persischen Golf ausgegangen. Steinmeier wertete die Angriffe vom Dienstag als "neue Qualität des internationalen Terrorismus", der auch für die staatlichen Aufklärungsdienste eine neue Herausforderung sei. Steinmeier wies darauf hin, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) in der Vergangenheit sehr effektiv mit den amerikanischen und europäischen Geheimdiensten zusammengearbeitet habe, gerade bei der Bekämpfung des arabischen Terrorismus. Allerdings hätten sich die Terroristen inzwischen gut auf die Arbeitsweise der westlichen Dienste eingestellt.

Die jetzt erhobenen Schuldzuweisungen an die Geheimdienste hält der SPD-Politiker und Geheimdienstexperte Wilfried Penner für falsch. Er warnt davor, die Geheimdienste insgesamt zu überschätzen. "Den Diensten demokratischer Staaten werden bisweilen allmächtige Fähigkeiten zugesprochen", sagte Penner. Dies sei aber völlig übertrieben. Gerade wenn es sich um "terroristische Kleinstrukturen" handele, hätten Geheimdienste meist keine Chancen. Penner bezweifelte indes, dass Osama bin Laden, "das Lieblingsfeindbild der US-Geheimdienste", etwas mit den Anschlägen zu tun habe. "Ob bin Laden eine solch komplizierte Aktion planen kann, ist mehr als fraglich."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben