Clearstream-Affäre : Ermittlungen gegen Enthüllungsjournalisten

In der Rufmord-Affäre um angebliche Schwarzgeldkonten französischer Politiker ist ein Ermittlungsverfahren gegen den Journalisten eingeleitet worden, der den Fall ins Rollen gebracht hatte.

Paris - Französische Untersuchungsrichter beschuldigen den 48-jährigen Denis Robert "der Hehlerei und des Vertrauensmissbrauchs", wie sie mitteilten. Robert hatte 2002 Kontenlisten des Luxemburger Finanzdienstleisters Clearstream von einem Mittelsmann erhalten. 2004 waren die Listen mit nachträglich eingefügten Namen von Politikern und Industriemanagern in Umlauf gebracht worden. Auf ihnen fand sich auch Innenminister Nicolas Sarkozy, der im kommenden Jahr Staatspräsident werden will und die Listen als Teil einer politischen Intrige betrachtet.

Journalist sieht sich als Opfer

Robert wurde bis kurz nach Mitternacht am Mittwoch verhört. Anschließend zeigte er sich empört über die gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen: "Die Freiheit der Presse, zu schreiben und zu informieren, wird durch die Macht des Geldes und Politik- und Finanzintrigen lächerlich gemacht", sagte er. "Die Super-Lügner aus der Welt der Politik, der Finanzen und der Rüstungsbranche" kämen dagegen ungestraft davon. Robert sieht sich in der Affäre als Opfer. Eigenen Angaben zufolge brachte ihn ein späterer Mitarbeiter des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS dazu, die echten Clearstream-Listen herauszugeben, die dann Grundlage für die Fälschungen gewesen sein sollen.

Premierminister Dominique de Villepin hat eine Verleumdungsklage gegen Robert angestrengt. Grund ist die Behauptung in einem vom Roberts Büchern, Villepin habe etwas mit den Fälschungen zum Schaden seines langjährigen Rivalen Sarkozy zu tun. Villepin selbst wird in der Affäre am 21. Dezember als Zeuge vernommen. (tso/AFP)

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