Politik : Clinton entschärft Pakistan-Krise

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Neu-Delhi - Statt scharfer Worte gab es moderate Töne – und erstaunliche Zugeständnisse. Knapp vier Wochen nach dem Tod von Osama bin Laden reiste US-Außenministerin Hillary Clinton am Freitag zu einem Blitzbesuch nach Pakistan, um die angebliche Krise zwischen Washington und Islamabad zu entschärfen. Clinton sprach Pakistans Führung faktisch davon frei, bin Laden heimlich versteckt zu haben. Zugleich bekannte sie sich zum Bündnis mit Pakistan. Und obendrein sagte sie noch zu, Islamabad bei einem Friedensdeal in Afghanistan einzubeziehen.

Ist das bilaterale Verhältnis vergiftet wie nie, wie manche glauben? Oder in Wahrheit so gut wie selten? Vieles deutet darauf hin, dass die Spitzen beider Länder beim Zugriff auf bin Laden stärker zusammenarbeiteten, als sie kundtun. Davon gehen offenbar auch das Terrornetzwerk Al Qaida und die Taliban aus, die Pakistan nun mit einer Serie von blutigen Racheanschlägen überziehen. Am Donnerstag wurden bei einem Anschlag im Nordwesten erneut mindestens 35 Menschen getötet.

Als Gegenleistung für mögliche Schützenhilfe bei der Terroristenhatz dürfte sich Pakistan Mitsprache in Afghanistan ausbedungen haben. Und tatsächlich betonte Clinton nun, dass man Pakistans sehr legitime Interessen am Hindukusch respektieren müsse. Aber Pakistan tut gut daran, es unter der Decke zu halten, falls es wirklich beim Bin-Laden-Zugriff mit den USA kooperierte. Im Volk wächst der Hass auf Amerika. Die Armee-Führung muss sogar fürchten, dass Elemente im Militär gegen einen solchen Kurs rebellieren. Dies wäre brandgefährlich in einem Staat, der über Atomwaffen verfügt, deren Sicherheit von der Loyalität der Militärs abhängt. Christine Möllhoff

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