Politik : Clinton feiert Kantersieg in West Virginia

Christoph von Marschall

Washington - Bei einer der letzten Vorwahlen hat Hillary Clinton im Rennen um die Nominierung als Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten den erwarteten Kantersieg errungen. Sie gewann West Virginia mit 67 Prozent. Barack Obama kam auf 26 Prozent, sieben Prozent der Stimmen entfielen auf John Edwards, der bereits ausgeschieden ist, aber noch auf den Wahlzetteln stand.

Die US-Medien kommentieren, West Virginia sei kein bedeutender Staat, Clintons Triumph komme zu spät und ändere nichts mehr. Obama werde der Kandidat. Clinton feierte ihren Erfolg überschwänglich: Sie fühle sich „wie im Himmel“. Ihr Sieg zeige, dass sie die Hauptwahl gegen den Republikaner John McCain eher gewinnen könne als Obama. Sie bleibe im Rennen. Bei der entscheidenden Größe, dem Verhältnis der Delegierten für den Nominierungsparteitag, hat sie dank dieser Vorwahl zehn Stimmen gutgemacht – eine kleine Zahl im Vergleich zu den 29 Superdelegierten, die sich allein in den jüngsten acht Tagen für Obama ausgesprochen haben. Er führt nun mit 1881 zu 1713 Delegierten. Von den ausstehenden fünf Vorwahlen wird Clinton vermutlich zwei gewinnen (Kentucky, Puerto Rico) und er drei (Oregon, Montana, South Dakota).

West Virginia belegte abermals eindrücklich, dass Obama sich schwer tut, im weißen Arbeitermilieu zu siegen. In dem kleinen Bergbaustaat sind 95 Prozent Weiße. 70 Prozent haben keinen höheren Bildungsabschluss. 54 Prozent der Haushalte haben ein Jahreseinkommen unter 50 000 Dollar, gelten also als arm. Seit 1916 haben die Demokraten den Staat nur zwei Mal gewonnen – unter Bill Clinton. Sonst siegen hier stets die Republikaner. Obama führte kaum Wahlkampf dort. Er tritt bereits hauptsächlich in den Staaten auf, die er gegen McCain gewinnen muss, wie Missouri, Michigan und Florida. Christoph von Marschall

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