Clinton in Hamburg : Aus globaler Sicht

Klimawandel und der Kampf gegen Aids: Bill Clinton erklärt in Hamburg die Welt.

Antje Lückingsmeier

Hamburg - Die Welt ist es wert, sie zu retten. Dafür jettet er um den Globus (aktuell mit seinem neuen Buch „Giving“ im Gepäck, das den Untertitel trägt „Wie jeder von uns die Welt verändern kann“). Bill Clinton war zu Gast in Hamburg und sprach vor einigen hundert Zuhörern in der Color Line Arena – die bis zu 16 000 Plätze bereithält. Aber Ticketpreise von 290, 180 und 90 Euro haben den großen Run auf die Veranstaltung, die vom ehemaligen UN-Atominspektor Hans Blix eröffnet wurde, wohl verhindert.

Clinton ist seit dem Ende seiner Amtszeit als US-Präsident vor sieben Jahren daueraktiv: als Vortragsreisender, in seiner Aids-Stiftung sowie der „Clinton Global Initiative“. Er widmet sich den großen Themen wie Klimarettung und Bekämpfung von Identitätskrisen – auch in Hamburg waren das seine Themen. „Es ist teurer, Soldaten in den Krieg zu schicken, als Kinder in die Schule!“, rief der beliebteste Ex-Präsident aller Zeiten seinem Plenum zu – das zustimmend applaudierte. Wer die üppigen Eintrittspreise gezahlt hatte, stand Clintons Thesen sowieso aufgeschlossen gegenüber. „Ich finde ihn toll und bin schon lange bekennende Bush-Gegnerin. Ich hätte mir gewünscht, dass Schulen eingeladen worden wären: Die jungen Menschen können von so einem Elder Statesman viel lernen!“, betonte eine Besucherin.

Clinton lobte die Wind- und Solarenergienutzung in Deutschland und Dänemark, er verwies bei Klimafragen auf die schmelzenden Permafrostböden der russischen Tundra („Das ist gar nicht weit von hier!“) und betonte wieder und wieder die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Staaten. „Wir können uns noch so sehr um Umweltschutz bemühen – doch wenn wir beispielsweise Indien und China nicht motivieren können, ist alles wenig effektiv.“ Weiter erzählte er von den erfolgreichen Mikrokrediten in Bangladesch und von der grenzübergreifenden Hilfe bei der Tsunami-Katastrophe – große Themen für einen dreiviertelstündigen Vortrag mit anschließener kurzer Fragerunde.

„Ich denke an die Welt, die ich meinen Kindern und meinen Enkeln übergeben will. Das ist für mich der Rahmen, in dem ich alle Fragen für mich beantworte“, so umschrieb er schließlich die Motivation, die ihn antreibt. Und alle stimmten ihm zu, als Clinton fragte, ob bei der genetischen Übereinstimmung aller Menschen von 99,5 Prozent nicht doch die Übereinstimmungen weitaus relevanter seien als die Unterschiede? „Wir können einander nicht entkommen, wir sind miteinander verbunden“, erklärte er. In der globalisierten Welt seien alle aneinandergebunden, durch die Wirtschaft, das Klima, das Internet. Antje Lückingsmeier

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