Politik : Clinton in Moskau: Putins Schattenkämpfe (Kommentar)

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Wladimir Putin ist nicht nur Meister im östlichen Kampfsport, sondern auch im Schattenboxen: Im Frühjahr verblüffte er die Welt mit dem Bekenntnis, Russland könne eines Tages Nato-Mitglied werden. Den Zorn seiner Generäle brauchte er dabei nicht zu fürchten. Der Westen reagierte mit Unbehagen und Putin konnte, wie geplant, zum Rückzug blasen. Eine Masche, die auch im Vorfeld von Clintons Moskau-Besuch funktionierte: Am Freitag schlug Putin den USA ein gemeinsames Raketenabwehrsystem vor, das auch den Europäern Schutz bieten soll. Tags darauf brachten russische Medien Details: Putin habe an ein gemeinsames System zur Abwehr von Mittelstreckenraketen gedacht. Die aber stellen zwar für Europa eine Bedrohung dar, nicht aber für die USA, die allen "zivilisierten Staaten" Schutz unter dem eigenen Schirm anboten. Ein Angebot, das Putin mit seinem Gegenvorschlag erheblich entwertete. Nun sind die USA erneut im Zugzwang, wegen des baldigen Machtwechsels im Weißen Haus gegenwärtig aber nur bedingt handlungsfähig. Putin kann daher mir seinem ersten großen Auftritt als global player zufrieden sein. Mit Putin, der flexibel reagiert, ohne Moskaus sicherheitspolitische Interessen in Frage zu stellen, hat der Westen es zugleich leichter und auch schwerer als mit Jelzin.

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