Politik : Clinton mahnt die Bosnier zum Frieden

US-Präsident warnt bei seinem ersten Besuch in Sarajevo nachdrücklich vor einer Blockade des Abkommens von Dayton SARAJEVO (AFP/dpa).Bei seinem ersten Besuch in Sarajevo hat US-Präsident Bill Clinton am Montag an Bosniens Tradition der Toleranz erinnert und zum Frieden gemahnt.Nach einem Rundgang durch die vom Krieg schwer gezeichnete Stadt forderte er die Bürger in Rede auf, die Chance zum Frieden zu ergreifen: "Sie entscheiden über ihre Zukunft - und nicht die Amerikaner, nicht die Europäer und auch sonst niemand." Zuvor war er mit dem kollektiven Staatspräsidium zusammengetroffen.An diesem Dienstag wollen Bundeskanzler Kohl und Verteidigungsminister Rühe das deutsche SFOR-Kontingent in Bosnien besuchen. In seiner Rede im Nationaltheater von Sarajevo würdigte Clinton die Leistungen der internationalen Friedenstruppe für Bosnien.Nach eigenen Angaben forderte er die Mitglieder des bosnischen Staatspräsidiums, den Moslem Alija Izetbegovic, den Serben Momcilo Krajisnik und den Kroaten Kresimir Zubak, auf, gemeinsam für einen dauerhaften Frieden zu arbeiten. Tausende hatten Clinton bei seiner Ankunft in der bosnischen Hauptstadt begrüßt.Die Kinder hatten schulfrei bekommen.Unter starken Sicherheitsvorkehrungen nahm der US-Präsident ein Bad in der Menge. Die Rede Clintons aus dem Nationaltheater in Sarajevo, vor dem sich mehrere Tausend Menschen versammelt hatten, wurde weder vom Fernsehen der Serbenrepublik noch im kroatischen Teil des Landes übertragen.Auch war der Serbenvertreter im Staatspräsidium, Krajisnik, nicht zu der Festveranstaltung erschienen."Sie müssen ihren Führern ihren Wunsch nach Frieden klar machen", sagte Clinton der bosnischen Bevölkerung."Auch wenn die Wunden des vergangenen Kriegs noch tief und die Narben noch frisch sind - sie können es tun." Er forderte die Bosnier auf, "sich über die Trennungslinien hinweg die Hände zu reichen".Wer hingegen die Umsetzung des Dayton-Abkommens blockiere, werde isoliert.Im Interesse der Gerechtigkeit und des Friedens müsse die Verfolgung mutmaßlicher Kriegsverbrecher fortgesetzt werden.Clinton betonte nachdrücklich: "Wer die Verantwortung trägt, wird sowohl von den USA als auch der internationalen Gemeinschaft voll unterstützt.Wer sich aber davor drückt, der isoliert sich selbst." Gleichzeitig sagte er die volle Unterstützung der USA zur Erhaltung des Einheitsstaates Bosnien-Herzegowina mit drei gleichberechtigten Völken zu. Am Nachmittag reiste Clinton weiter nach Tuzla im Nordosten des Landes.Dort befindet sich die Basis der US-Truppen in Bosnien.Insgesamt sind in Bosnien derzeit rund 8000 US-Soldaten stationiert.Mit seinem Besuch unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen wollte Clinton nicht nur bei den US-Truppen selbst, sondern auch in der amerikanischen Öffentlichkeit für seine Entscheidung werben, die Stationierung über Juni 1998 hinaus zu verlängern. Am Morgen hatte Clinton auf dem Weg nach Bosnien wegen schlechten Wetters einen Zwischenstopp auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Pfalz eingelegt.Wie ein Sprecher des Luftwaffenstützpunktes mitteilte, flog Clinton in einem kleineren Flugzeug nach Sarajevo weiter.Aus Sicherheitsgründen wollte der Präsident noch am Abend in die USA zurückfliegen.

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben