Politik : Clinton muss sich entschuldigen

Die Sätze fielen beiläufig. Trotzdem löste Hillary Clintons Begründung, warum sie das scheinbar aussichtslose Rennen gegen Barack Obama um die Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Demokraten nicht aufgebe, Empörung aus. „Wir haben das Röntgenbild einer sehr dunklen Seele gesehen“, urteilte Michael Goodwin, Kommentator der New York „Daily News“. Keith Olbermann, Moderator einer populären Politsendung auf MSNBC, warf Clinton mit zornesroten Schläfen die Verbreitung von politischem und rassistischem Hass vor.

Bei einem Treffen mit der Redaktionsleitung des „Argus Leader“ in Sioux Falls im US-Bundesstaat South Carolina, wo am 3. Juni Vorwahlen stattfinden, hatte Clinton gesagt: „Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Mann seine Nominierung 1992 nicht in der Tasche, bevor er die Vorwahl in Kalifornien irgendwann Mitte Juni gewann. Und wir erinnern uns alle daran, dass Bobby Kennedy im Juni in Kalifornien ermordet wurde.“ Sie habe damit nur eine historische Tatsache wiedergegeben, sagte Hillary Clinton wenige Stunden später und entschuldigte sich öffentlich bei der Kennedy-Familie. Robert Kennedy Junior, Sohn des am 6. Juni 1968 unmittelbar nach seinem Sieg in den Vorwahlen in Kalifornien ermordeten demokratischen Idols, nahm Clinton in Schutz: „Der Kontext zeigt, dass Hillary bekannte politische Umstände angeführt hat, um zu begründen, warum sie bis zum Juni im Rennen bleibt. Ich verstehe, wie aufgeladen die Atmosphäre ist, aber ich denke, es ist ein Fehler, dass sich die Leute angegriffen fühlen.“

Hillary Clintons Bemerkung fiel nicht zuletzt deshalb auf fruchtbaren Boden, weil die Sorge um die Sicherheit ihres Konkurrenten zu den wenig diskutierten Themen des Wahlkampfs gehört. Der Secret Service schenkt Obama seit mehr als 18 Monaten besondere Aufmerksamkeit. Seine Frau Michelle hatte sich einst unter anderem wegen der Angst vor einem Attentat gegen die politischen Ambitionen ihres Mannes gestemmt. Eine Umfrage in South Carolina Anfang des Jahres hatte ergeben, dass viele Schwarze zögerten, für Obama zu stimmen, weil sie fürchteten, dass ein schwarzer Präsident ermordet würde. Folgerichtig wetterte Kommentator Goodwin, Clintons Seele sei „besessen von rohen Ambitionen, die es zulassen, über die mögliche Ermordung eines Konkurrenten in einem strategischen Sinne nachzudenken“. Obama-Sprecher Bill Burton sagte, Clintons Bemerkung sei „unglücklich“.

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