Clinton : Nur ein Abschied, kein Ende

Clinton kämpft nicht mehr um die Präsidentschaftskandidatur und verspricht Obama volle Unterstützung.

WashingtonAm Ende wählte sie die Worte ihres bisherigen Rivalen. „Yes, we can – Ja, wir können Senator Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten machen“. Und sollte ihr dieser Satz nicht leicht über die Lippen gekommen sein, so hat sich Hillary Clinton dies in keinster Weise anmerken lassen, als sie am Samstag in Washington vor tausenden ihrer Anhänger ihren eigenen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten für beendet erklärte.

Hillary Clinton hat an diesem Tag mehr getan, als ihre Niederlage bei den US-Vorwahlen offiziell einzugestehen. Sie hat eine ihrer besten politischen Reden gehalten, waren sich Amerikas Fernsehkommentatoren einig, und sie hat dem Sieger Barack Obama demonstrativ ihre volle Unterstützung zugesagt. In ihrer 28-minütigen Rede im National Building Museum dankte sie ihren Anhängern, und empfahl ihnen, „um den Kampf nun fortzusetzen, um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir alle unsere Energie, Leidenschaft und Stärke einsetzen, um dabei mitzuhelfen, dass Barack Obama gewählt wird“. Ihre Unterstützer sollten „für ihn genauso hart arbeiten wie für mich“.

„Heute setze ich meinen Wahlkampf aus, ich gratuliere ihm zu seinem Sieg und zu dem außerordentlichen Wahlkampf, den er führte“, sagte Clinton. 17 Monate hat dieser Wahlkampf gedauert, und nicht wenige Demokraten fürchten, dass das Rennen zwischen Clinton und Obama die Partei zu sehr gespalten haben könnte. Clinton betonte dementsprechend, nun sei es an der Zeit, wieder zusammenzufinden. „Wir streben alle dasselbe Ziel an (...), (bei der Präsidentenwahl) im November zu gewinnen und unser Land herumzureißen, weil so viel auf dem Spiel steht.“ Mehrfach sagte sie: „Deshalb müssen wir helfen, dass Barack Obama unser Präsident wird.“ Scharf waren die Angriffe im Vorwahlkampf gewesen, jetzt rief sie dazu auf, sich auf die Zukunft zu konzentrieren. „Jeder Moment, den wir mit Rückschau verschwenden, hält uns davon ab, noch vorne zu blicken.“

Obama gab sich „begeistert“ nach Clintons Rede. „Es ehrt mich, die Unterstützung von Senatorin Clinton zu haben“, ließ er auf seiner Webseite mitteilen. Sie habe einen „tapferen und historischen“ Wahlkampf geführt. „Unsere Partei und unser Land sind durch ihr Lebenswerk gestärkt, und ich bin ein besserer Kandidat, weil ich das Privileg hatte, in diesem Wahlkampf gegen sie anzutreten.“ Obama hatte sich am Ende der Vorwahlen am Dienstag die nötigen Delegiertenstimmen gesichert, um im Spätsommer zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten nominiert zu werden.

Für Clinton, die ihre Niederlage zunächst nicht hatte eingestehen wollen, gab es am Samstag dann Lob von allen Seiten: „Das war ein ganz starker Versuch, ihre Anhänger in das Lager Obamas zu bringen“, sagte ein Moderator des Senders MSNBC. Auch Parteifreunde applaudierten. „Eine großartige Rede“, sagte ein demokratischer Politiker. „Clinton hat uns daran erinnert, dass diese Wahl wichtiger ist als sie selbst und Senator Obama.“ Auch die Spekulationen über eine mögliche Vizepräsidentin Clinton dürften nach diesem Auftritt noch einmal mehr Nahrung erhalten haben. Sie selbst sagte nur, sie werde weiter tun, was sie schon seit langem mache: „Dafür arbeiten, dass jeder Amerikaner die Chancen bekommt, die ich selbst hatte.“

Clinton beendete ihren Wahlkampf offiziell nicht völlig, sondern setzte ihn aus. Das gibt ihr rechtlich die Möglichkeit, bis zum Nominierungsparteitag der Demokraten im Spätsommer in Denver noch Spenden zu sammeln. Sie wird sie brauchen können: Während des Wahlkampfs hat sie rund 30 Millionen Dollar Schulden angehäuft. dpa/cir

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