Politik : Clinton: Schande über Obama

Christoph von Marschall

Washington - Acht Tage vor den für sie schicksalhaften nächsten Vorwahlen hat Hillary Clinton den Ton gegen Barack Obama verschärft. Bei einem Auftritt in Cincinnati, Ohio warf sie ihm vor, ihre Aussagen zum Freihandel und zur Krankenversicherung in Wahlkampfbroschüren zu verfälschen. „Schande über dich, Barack Obama“, rief sie und verglich ihn mit Präsident Bushs Ex-Chefstrategen: Er greife zu „den schlimmsten Taktiken, direkt aus Karl Roves Drehbuch“. Dabei hielt sie eine Broschüre in die Luft, die sie angeblich gerade von einer besorgten Anhängerin erhalten habe. Obama sagte, er sei „erstaunt über ihren Tonwechsel“. Er glaube, ihr Zorn sei „taktisch“, also gespielt. Bei der jüngsten TV-Debatte hatte sie persönliche Angriffe vermieden.

Es geht um zwei Sachfelder, die bei den Vorwahlen am 4. März in Ohio, Texas, Rhode Island und Vermont große Bedeutung haben. Obama benutzt in der Broschüre ein umstrittenes Clinton-Zitat zu Freihandelsabkommen. Sie seien „ein Segen für die USA“, habe sie „Newsday“ gesagt. Clinton bestreitet das; die Zeitung habe das falsche Zitat berichtigt. Tatsächlich nimmt die Redaktion eine Mittelposition ein. Sie hat ein mögliches Missverständnis eingeräumt, das Zitat aber nicht zurückgenommen. Zugleich betonte sie, Obamas Gebrauch der Clinton-Worte sei „irreführend“. Ohio hat mit 6,5 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit. Viele machen Freihandelsabkommen wie Nafta dafür verantwortlich. Die Vereinbarung zwischen den USA, Mexico und Kanada war unter Bill Clinton abgeschlossen worden. Früher war Hillary für Freihandel. Im Wahlkampf verspricht sie jedoch, Nafta „neu zu verhandeln“. Der zweite Streitpunkt betrifft den Weg zu einer allgemeinen Krankenversicherung. Clinton möchte den Abschluss für alle verbindlich machen. Obama will durch finanzielle Hilfen erreichen, dass alle sich versichern. Hillary wehrt sich gegen Obamas – sachlich richtige – Behauptung, sie wolle die Bürger zwingen, eine Versicherung abzuschließen. Clinton hat elf Vorwahlen in Folge verloren. Der Kuschelkurs bei der TV-Debatte am Donnerstag brachte ihr keinen Vorteil. Nun scheint sie die Taktik zu wechseln. Christoph von Marschall

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