Politik : Clintonesk

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Foto: Rückeis

AUF ZU DEN LINDEN!

Von Jeffrey Gedmin

Bill Clinton sah einst direkt in eine Kamera und sagte im Gestus äußerster Aufrichtigkeit: „Ich hatte niemals Sex mit dieser Frau.“ Er meinte Monica Lewinsky. Später erklärte Clinton, dass er doch nicht wirklich gelogen habe, da oraler Sex ja gar kein echter Sex sei.

Sehen wir uns Gerhard Schröder an, der mit clintonesker Überzeugungskraft sagt: „Wählt mich wieder, und ich verspreche, dass Deutschland niemals in ein amerikanisches Abenteuer im Irak verwickelt wird.“ Ich denke, auch Schröder hat seine Fluchtroute bereits geplant. Vielleicht kann er sich schon jetzt vorstellen, später zu sagen: „Verehrte Damen und Herren, gerade habe ich neue und alarmierende Informationen über Iraks nukleare, biologische und chemische Waffen erhalten und im Lichte …“

Die Opposition ist sauer: Das Verhältnis zu den USA und zum Rest Europas stehe auf dem Spiel. Man könnte sich aber fragen, ob manche Konservative nicht auch deshalb wütend sind, weil Schröders Spiel zu funktionieren scheint. Jedenfalls finden sich auch außerhalb der Regierung nicht viele, die bereit sind, die Irak-Frage ernsthaft zu besprechen.

Guido Westerwelle zum Beispiel, dessen Partei das Außenministerium kontrollieren könnte in einer Stoiber-geführten Regierung. Der beharrt darauf, dass es „völkerrechtswidrig“ sei, Saddam ohne den Segen der UN die Macht zu nehmen. Macht er Witze? Hat er vergessen, was Deutschland im Kosovo getan hat? Mit der Nato hat es sich in die Angelegenheiten eines UN-Mitgliedstaates (Kosovo war Teil von Serbien, nicht unabhängig) eingemischt – und das ohne Mandat des Sicherheitsrates. Natürlich war das gut. Leben wurden gerettet, ein Diktator, Slobodan Milosevic, besiegt. Schlaflose Nächte hat diese „völkerrechtswidrige“ Aktion in Berlin wohl niemandem beschert. Sorry, Guido, aber die UN-Entschuldigung wirkt nicht immer.

Mein Lieblingsslogan ist immer noch Edmund Stoibers „Zeit für Taten“. Ganz meine Meinung. Das denken einige von uns auch über den Irak. Wir Amerikaner reden viel. Und die Deutschen? Hölderlin nannte seine Landsleute einst „tatenarm und gedankenvoll“. Das sehen wir nach den Wahlen.

Jeffrey Gedmin ist Direktor des Aspen Instituts Berlin. Lesen Sie hier bis zum 22. September jeden Tag Stimmen zur Wahl.

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