Coesfeld-Prozess : Zwei Angeklagte im Bundeswehr-Prozess verurteilt

Das Landgericht Münster hat zwei Bundeswehr-Ausbilder der Kaserne in Coesfeld verurteilt, weil sie Rekruten misshandelt haben. Ein Ausbilder erhielt eine Bewährungsstrafe, der andere eine Geldstrafe.

MünsterDer Hauptangeklagte wurde zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der 27-Jährige wurde vom Landgericht Münster unter anderem der gefährlichen Körperverletzung und entwürdigenden Behandlung von Untergebenen schuldig gesprochen. Ein zweiter Angeklagter kam mit 2400 Euro Geldstrafe davon. Zwei weitere frühere Ausbilder der Kaserne in Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) wurden freigesprochen. Gegen elf Angeklagte geht der Prozess weiter. Die Misshandlungen bei gestellten Geiselnahmen im Sommer 2004 hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Im Fall des Hauptangeklagten, der zusätzlich noch 2000 Euro Geldstrafe zahlen muss, ging die 8. Große Strafkammer über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte 14 Monate Haft auf Bewährung verlangt. Der 27-Jährige pumpte nach Überzeugung der Richter einem Rekruten Wasser mit einer Kübelspritze in die Kleidung sowie in den gewaltsam geöffneten Mund. Später verhöhnte er ihn als "Bettnässer".

Misshandlung aus eigenem Antrieb

Der Angeklagte sei ohne Aufforderung tätig geworden, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Mattonet. "Das war eine Wassermisshandlung, keine Wasserbehandlung." Die vier Angeklagten hatten sich unter anderem darauf berufen, Befehle ausgeführt zu haben. Zugleich hatten sie im Prozessverlauf angeführt, dass sich die allermeisten Rekruten nicht gedemütigt gefühlt hätten. Anklage und Verteidigung wollen nun rasch über eine mögliche Revision entscheiden. Die weiteren Urteile werden erst kurz vor Weihnachten erwartet.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, erhoffte sich von den Urteilen eine "Signalwirkung"". Die Vorfälle seien innerhalb der Bundeswehr bereits "ganz stark diskutiert" worden, sagte der SPD- Politiker im RBB-Inforadio. "Alleine das hat auch schon dazu beigetragen, dass heute jeder Ausbilder weiß, dass bestimmte Dinge in den Ausbildungskompanien heute einfach nicht zulässig sind."

Benehmen "wie ein Großwildjäger"

Der zweite Verurteilte, ein 29-jähriger Ex-Stabsunteroffizier, muss die Hälfte der Geldstrafe zahlen, die die Staatsanwaltschaft verlangt hatte. Ihm lasteten die Richter an, dass er sich während der Übung "wie ein Großwildjäger" aufgeführt hatte. Er hatte einen Fuß auf den Rücken eines vor ihm liegenden Rekruten gestellt und sich so ablichten lassen. Im Falle der anderen beiden Angeklagten (28 und 30 Jahre alt) folgten die Richter den Anträgen der Verteidiger auf Freispruch.

Im bislang größten Strafprozess in der Geschichte der Bundeswehr saßen anfangs 17 frühere Ausbilder und ihr Kompaniechef auf der Anklagebank. Sie sollen bei den simulierten Geiselnahmen auf dem Standortübungsplatz Coesfeld im Münsterland insgesamt 163 Rekruten gefesselt und gedemütigt haben. Die Verfahren gegen die vier Angeklagten waren abgetrennt worden, weil sie nur an einem von vier Tatkomplexen beteiligt waren. (mit dpa)

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