Colorado : Obamaland steht auf der Kippe

Im US-Staat Colorado ist der Vorsprung des Präsidenten weggeschmolzen. Es ist eine ganz bestimmte Wählergruppe, die den republikanischen Kontrahenten Romney in den Umfragen nach vorne katapultierte.

Barack Obamas Wahlsieg im November ist alles andere als sicher.
Barack Obamas Wahlsieg im November ist alles andere als sicher.Foto: dapd

Vor vier Jahren war das noch Obamaland. Colorado diente Barack Obama als Bühne für seinen Nominierungsparteitag und als Schaukasten dafür, wie frischer Wind in der Politik Jungwähler, Frauen und Minderheiten auch dort zu einem siegreichen Bündnis vereinen kann, wo normalerweise republikanische Präsidentschaftsbewerber die Nase vorn haben. Heute ist der US-Staat ein Beispiel dafür, wie schwer es der Präsident hat, dieses Bündnis im Gegenwind der Wirtschaftskrise und einer vergeigten TV-Debatte zusammenzuhalten. Republikaner und Demokraten sind sich einig in der Einschätzung, dass die Wahl am 6. November in Colorado so und so ausgehen kann. Wie in anderen hart umkämpften Staaten ist der leichte Vorsprung in Umfragen, den Obama bis Oktober hatte, zu einem Patt geschrumpft.

Schuld daran sind die Wechselwählerinnen der Mittelschicht, die vermutlich ausschlaggebende Zielgruppe, die bei dem republikanischen Herausforderer Mitt Romney noch einmal genauer hinsehen. Manche Beobachter meinen, bei dessen Anhängern mehr Begeisterung zu erkennen als bei denen des Amtsinhabers. Zudem kommt es in Colorado vielleicht nicht ganz so gut an wie im klassischen Arbeitermilieu etwa in Ohio, wenn Obama auf den Vermögensverhältnissen des millionenschweren Unternehmers Romney herumhackt.

„Er sollte besser dastehen und tut es nicht“, stellt der Meinungsforscher und frühere Landesvorsitzende der Demokraten, Floyd Ciruli, fest. „Von den ganzen noch unentschiedenen Staaten ist das der schlimmste für ihn; ist das nicht erstaunlich? Wir dachten, das wäre der Ort, den er als Modell nutzen könnte.“ Obwohl Colorado seit 1968 nur einmal für einen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gestimmt hatte, gewann Obama 2008 hier mit neun Prozentpunkten Vorsprung. Anderthalb Wochen vor der nächsten Wahl liegt er in den meisten Umfragen im Staat wie landesweit nur gleichauf.

Drittes TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten 2012
Ruhig, resolut und kenntnisreich hat Mitt Romney Barack Obama in einen Rollentausch gedrängt, meint Malte Lehming, der aus den USA zur Wahl berichtet. Die letzte TV-Debatte dürfte die Dynamik des Wahlkampfes kaum verändern - davon allerdings profitiert Romney.Weitere Bilder anzeigen
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23.10.2012 14:43Ruhig, resolut und kenntnisreich hat Mitt Romney Barack Obama in einen Rollentausch gedrängt, meint Malte Lehming, der aus den USA...

Diesen Trend versuchte Romney bei einer Großveranstaltung im Red Rocks Amphitheater auszuschlachten. „Wir sind im Endspurt zum Ziel, und die Menschen aus Colorado werden uns dorthin bringen“, rief er vor 10.000 jubelnden Fans. Obama konterte vor 16.000 Anhängern in einem Park in Denver: „Wir werden in Colorado wieder gewinnen, wir werden diese Wahl gewinnen, wir werden zu Ende bringen, was wir angefangen haben!“ Sein Wahlkampfteam gibt sich zuversichtlich: Es sei immer klar gewesen, dass 2008 ein Ausreißer gewesen und jetzt ein normales Wahljahr mit knappem Ausgang sei.

Beide Seiten kämpfen hart um die Stimmen der etwa 100.000 Bürger, die sich noch nicht entschieden haben. Wenn der Präsident Colorado wieder erobern will, muss er Wählerinnen wie Robin Abrams zurückgewinnen. Die 24-Jährige zählt zu den parteipolitisch ungebundenen Frauen aus der Mittelschicht mit moderaten Ansichten, die ihn 2008 gewählt hatten. „Obama schien vielversprechend, etwas Neues, Frisches“, erklärt Abrams. Doch diesmal ist sie unentschlossen. In einem Jahr ist sie mit dem College fertig und weiß nicht, ob sie danach eine Stelle finden wird. Sie findet Obamas gesellschaftspolitische Positionen vor allem bei den Themen Frauengesundheit und Recht auf Abtreibung gut. Aber sie denkt auch an ihr Portemonnaie. „Gesellschaftspolitisch bin ich, glaube ich, eher demokratisch. Aber wirtschaftspolitisch bin ich nicht sicher. Und ich möchte gerne sicher sein.“ (dapd)

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