Contra : Es braucht keine Quotenfrauen

Braucht Deutschland eine Frauenquote für Unternehmen? Maris Hubschmid meint nein – das Problem muss sich anders lösen lassen.

von

Die Schwachen brauchen unsere Hilfe! Namentlich: Alte, Behinderte, Migranten – Frauen auch? Ich zumindest möchte mich in dieser Aufzählung nicht eingereiht wissen. Eine Frauenquote für Unternehmen wäre die eigentliche Diskriminierung. Immerhin sind wir Dank Alice Schwarzer und Co. heute so weit, dass eine Unterscheidung von Männlein und Weiblein jenseits der Sanitäranlagen im Alltag nicht mehr vonnöten ist. Sicher ist es bedauerlich, dass Wirtschaftsvorstände und Aufsichtsräte im Land deutlich männerdominiert sind. Wir haben tolle Frauen! Zu bezweifeln ist aber, ob die alle mit scharrenden Hufen im Wartestand stehen, um endlich Chefin zu werden, wenn man sie lässt. Womöglich sind Führungsjobs aus Sicht vieler Frauen gar nicht reizvoll. Sind Frauen schlichtweg weniger machtgeil, müssen nicht erst ein Dutzend Menschen im Organigramm unter sich haben, um sich wertvoll zu fühlen.

Die meisten Frauen wissen, was sie können. Und sie ziehen ihre Befriedigung aus anderen Dingen. Wenn jemand für sich entscheidet, dass er lieber mehr Stunden mit seinen Kindern oder einem guten Buch verbringen möchte, statt in Flugzeugen und Konferenzsälen, finde ich das nachvollziehbar. Das Modell Karrieremensch ist einfach stark überholungsbedürftig.

Wo Erfolg an ein größtmögliches Quantum von Anwesenheit im Büro gekoppelt ist, verschenkt ein Land die Chance, Menschen einzubinden, die mehr vom Leben wollen. Was fehlt, sind flexible Arbeitszeiten, höhere Gehälter für Frauen und ein familienfreundliches Berufsumfeld. Andernfalls würden wohl viele Frauen das Projekt Chefetage energischer angehen. Schön blöd das Unternehmen, das dafür nichts unternimmt: Frauen bringen andere Qualitäten in einen Beruf ein als Männer. Sie haben das bessere Gespür für Stimmungen, für Zwischenmenschliches, sie sind diplomatischer und anpassungsfähiger – auch disziplinierter. All das sind Gründe, weshalb zahlreiche Frauen um uns herum bereits Führungskräfte geworden sind. Niemand sollte den ausgebooteten Männern die Chance lassen, diese Frauen als Quotenfrauen zu belächeln.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben