Countdown zur US-Wahl: Noch 17 Tage : Wie Twitter den US-Wahlkampf banalisiert

20.10.2012 16:58 Uhrvon

Es geht um Bibo aus der Sesamstraße oder einen "Ordner voller Frauen": Die großen Kontroversen im US-Wahlkampf entstehen bei Twitter - und sie sind meist banal bis zur Lächerlichkeit. Traditionelle Medien sollten sich damit nicht gemein machen.

Was bei Twitter passiert, ist oft interessengeleitet und gemein

Die traditionellen Medien können diese Dynamik nicht ignorieren. Weil die Twitterisierung zum wichtigsten Spin-Faktor im Wahlkampf geworden ist, müssen Online-Portale, Print-Produkte, Radio und Fernsehen diesen Spin akkurat reflektieren und in seiner Relevanz einordnen. Diese Aufgabe lösen sie leider oft mangelhaft.

Die Wiedergabe von Twitter-Geräuschen verlangt größtmögliche Distanz. Hat „Bibo“ Romney geschadet? Nein, kein bisschen. In den Umfragen nach der ersten Debatte legte der Republikaner kräftig zu. Doch die Aufplusterung der „Bibo“-Affäre erweckte den gegenteiligen Eindruck. Weil sich „im Internet“ ein „Sturm der Entrüstung“ artikulierte, habe der „US-Präsident nachträglich gegenüber seinem Herausforderer gepunktet“, hieß es auch in deutschsprachigen Medien.

Auch die „Spott und Häme“, die sich „im Web“ beziehungsweise „in sozialen Netzwerken“ über Romneys „Ordner voller Frauen“ verbreitete, haben angeblich den Herausforderer demaskiert – in diesem Fall nicht als kinder-, sondern frauenfeindlich. In dieser Lesart wird der Twitter-Spin unreflektiert als eine im Kern berechtigte Schadenfreude übernommen.

Dass die traditionellen Medien es auch anders können, demonstrieren sie, wenn es bei Twitter mal nicht gegen Romney, sondern gegen Obama geht. Als dessen „Nicht-optimal“-Bemerkung bekannt geworden war und entsprechenden Wirbel verursacht hatte, hieß es, „konservative Blogger und Spin-Doktoren schlagen zurück“ (also nicht etwa eine allgemeine Entrüstung im Internet), um ihre „Wut auf Obama zu zeigen und andere Konservative im Schlussspurt vor der Wahl anzustacheln“ (sprich: eine bloß interessengesteuerte Demagogie, muss man nicht ernst nehmen).

Was bei Twitter passiert, ist oft interessengeleitet und gemein. Sich damit gemein machen, dürfen traditionelle Medien nicht. Wer die Twitterisierung versteht, muss ihrer Dynamik widerstehen können. Nach links wie nach rechts.

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