CSU : Alle nach Horst Seehofers Willen

Seit 100 Tage ist er im Amt und fühlt sich sichtbar wohl: Horst Seehofer. Die CSU fühlt sich jedoch häufig von seinen Alleingängen gequält.

Mirko Weber[München]
Horst Seehofer
Größer als der Papst. Gestern reiste Ministerpräsident Horst Seehofer zu Benedikt XVI. – von Bayer zu Bayer. -Foto: AFP

Seltsam, aber wahr: Die sich oft selbst beweihräuchernde Musikstadt München hat nicht einen Veranstaltungsort, in dem es so tönt, dass man auch nur ansatzweise mit der Zunge schnalzen möchte. Der Herkulessaal in der Residenz, ist, obwohl ehrwürdig alt, nur so lala und außerdem zu klein. Im Gasteig wiederum, dem städtebaulichen Vorzeigeprojekt der achtziger Jahre, gehen auf rätselhafte Weise häufig ganze Orchestertakte für die Hörer verloren: Experten heißen das Phänomen ein "akustisches Loch". Seit Jahren ringt nun die Stadt mit sich, ob sie, zusammen mit dem Freistaat, vielleicht mal was Gescheites baut. Doch weder der prinzipiell musenferne Edmund Stoiber noch der ja nur kurz praktizierende Günther Beckstein brachten dergestalt etwas zu Wege.

Und nun, Trommelwirbel: Horst Seehofer, sozusagen als Fallbeispiel, denn die Vorgehensweise ist mehr oder minder stets die gleiche, seit er am 27. Oktober ins Amt des Ministerpräsidenten gekommen ist. Mochte auch der zuständige Kunstminister Wolfgang Heubisch von der FDP ein Ersuchen des Dirigenten Mariss Jansons, der das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks leitet, bereits abgelehnt haben, Seehofer kann anders - wenn er will: Traf also Jansons, ließ sich aus der Staatskanzlei sagen, dass er es wirklich mit einer weltweiten Berühmtheit zu tun hatte, und sprach: "Ich möchte dieses Projekt!" Der Umbau des Münchner Marstalls wird an die 130 Millionen Euro kosten. Natürlich hat Horst Seehofer nicht gesagt, woher er sie nehmen will. Aber doch so viel: "Ich möchte!"

Seehofer hat das Nachdenken über sich verboten

Ähnliche Aussagen ("Ich will", "Ich stelle mir vor", "Ich wünsche mir") sind in der Variation im Dutzend gefallen, seit Horst Seehofer Ministerpräsident ist und zudem seiner Partei, der CSU, vorsteht. War sein Vorgänger, der unglückselige Beckstein, angetreten, um das Land mit "Mut und Demut" regieren zu wollen, hat Horst Seehofer von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass er im politischen Leben sein Haupt lange genug gebeugt halten musste. Machtfragen zieht er an wie der Magnet Eisenspäne und am Ende hängt immer alles an ihm. So war es im Steuerstreit mit der CDU, während dessen Seehofer die Kanzlerin hat wissen lassen, wie er sein öffentliches Image einschätzt: "Das, was bei mir als Querulantentum, Streitsucht und Egoismus eingestuft wird, ist meine Überzeugung von Politikstil." Das klang, wie manches bei Seehofer, ganz gut, wenn man die Dinge des politischen Lebens aus der Perspektive der CSU betrachtet.

Andererseits hat Seehofer den seinen das Nachdenken über sich selbst gleich wieder verboten, als die Landtagsfraktion eine Studie näher erörtern wollte. Drin stand, dass selbst CSUler die Partei für verfilzt hielten, was ehemals Altvordere wie Erwin Huber fast aus den Latschen kippen ließ. Als der Fraktionschef Georg Schmid mit den nicht erfreulichen Umfrageergebnissen im Sinne der anbefohlenen neuen Offenheit hausieren ging, pfiff ihn Seehofer zurück. Causa finita.

Seehofer scheint alles zu bekommen, was er sich wünscht

Mehr Widerstand setzte ihm die Partei entgegen, als Seehofer Monika Hohlmeier an die Spitze der Europaliste der Partei setzen wollte. Seehofer hat, man muss das so sagen, einen echten Strauß- Fimmel. Seine eigene Rhetorik zum Beispiel ist intensiv an der des ehemaligen Landesfürsten geschult. Nur dessen Endlossätze und lateinische Bildungshubereien meidet Seehofer. Ansonsten jedoch inszeniert er sich gern späten Sohn des toten Strauß'' und empfindet wohl auch deshalb Monika Hohlmeier als eine Art von Schwester. Dass eine Aussöhnung mit der Strauß-Familie dringend geboten sei, deren Mitglieder sich weiß Gott selbst verschuldet ins Abseits manövriert hatten, ist ein Anliegen, dass selbst treueste CSU-Seelen nur sehr bedingt nachvollziehen können. Dessen ungeachtet hat Seehofer seinen Willen bekommen. Monika Hohlmeier ist mit einem ordentlichen Ergebnis in ihrer noch näher zu begründenden Eigenschaft als Oberfränkin auf Listenplatz sechs gewählt worden. Seehofer sagt, er brauche starke Frauen für die CSU. Als Nachfolgerin im Ministeramt hat er Ilse Aigner in Berlin durchgesetzt. Nun Hohlmeier. Seehofer scheint momentan alles zu bekommen, was er will, möchte und sich wünscht.

Auch privat haben sich die Dinge so arrangiert, dass Karin Seehofer ihn zu den wichtigen Terminen begleitet. Letzte Woche stellten sich Seehofers beim Bayerischen Filmpreis neben dem James-Bond- Darsteller Daniel Craig auf. Ein wenig schauspielerisches Vermögen ist auch am Donnerstag gefragt, als Seehofer mit seiner Frau in Rom den für bayerische Ministerpräsidenten üblich gewordenen Papstbesuch ableistet, schließlich kommt der Gast, seine katholische Biografie betreffend, mit nicht ganz reiner Weste. Seehofer wird sich über Heikles hinweggelächelt haben. Wichtig war ihm, dem Papst zu bedeuten, dass "dass nicht nur bei Bayern München, sondern auch in der bayerischen Politik das Rotationsprinzip außer Kraft gesetzt" sei. Zumindest bis nach der nächsten Wahl.

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