Politik : CSU beklatscht Kirchhof – und feiert Merkel

Cordula Eubel

Nürnberg - Eine geschlagene Viertelstunde muss Angela Merkel am Eingang der Messehalle warten, bevor sie auf dem CSU-Parteitag einmarschieren darf. Günther Beckstein, der bayerische Innenminister, hat sich warm geredet, über DNA- Analyse und Verbrechensbekämpfung, und findet einfach kein Ende. „Das gibt’s doch net“, flucht CSU-Chef Edmund Stoiber und fordert einen Mitarbeiter auf: „Hau’ sie alle vom Platz.“ Die Parteitagsregie sieht schließlich vor, dass jetzt die Kanzlerkandidatin unter großem Applaus den Saal betritt. Merkels Rede ist der Höhepunkt des Freitags-Programms.

Begleitet von „Angie“-Rufen tritt Merkel wenig später auf die Bühne: Ein Lob für die „freundschaftliche Zusammenarbeit“ mit der CSU, dann geht sie zur Wahlkampfrede über, wie sie in diesen Tagen häufiger gehalten wird. Gerhard Schröder erhält nach seinen Attacken auf Paul Kirchhof beim SPD-Parteitag nun eine Retourkutsche. „Die jetzt hochmütig von dem Professor aus Heidelberg reden, werden genauso Schiffbruch erleiden, wie Kurt Schumacher mit dem Professor aus Nürnberg“, sagt Merkel. Letzterer Professor, verrät die CDU-Vorsitzende, war Ludwig Erhard, Begründer der sozialen Marktwirtschaft, der damals vom SPD-Politiker Schumacher für seine Ideen beschimpft worden sei – allerdings stammt er aus Fürth. Kirchhof, Merkels Experte für Finanzen und Steuern in ihrem Wahlkampfteam, sitzt als Gast in der ersten Reihe – und wird brav beklatscht. Merkel jedoch wird gefeiert, das Signal des Parteitags soll schließlich Geschlossenheit sein. „Der Applaus war länger als bei Schröder“, sagt ein CSU-Mann stolz.

Stoibers Tag kommt am Samstag, wenn die Wahlen zum Parteivorstand anstehen. Für ihn liegt die Messlatte hoch. Vor zwei Jahren hatte er mit 97 Prozent ein Rekordergebnis. Horst Seehofer, der erneut als Parteivize kandidiert, muss sich auf einen Dämpfer einstellen. Viele in der CSU haben ihm übel genommen, dass er 2004 nicht auf dem CSU-Parteitag auftauchte und dort seine Kritik am sozialen Kurs der Union vortrug, sondern lieber daheim in Ingolstadt Fernsehinterviews gab. Da Seehofer seinen Einfluss in der CSU nicht verlieren möchte, war er in den letzen Tagen auffällig ruhig.

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