Politik : CSU fürchtet Debakel für Seehofer

München - In der CSU gibt es offenbar Sorgen über eine zu klare Niederlage von Parteivize Horst Seehofer bei der Kampfabstimmung über den Vorsitz. Die Unterstützung „für den Horst schwindet gefährlich“ und sei „kaum noch messbar“, sagte Münchens CSU-Chef Otmar Bernhard. Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Ingo Friedrich mahnte, Seehofer müsse auch nach dem Parteitag Ende September „zum Wohle der CSU unbeschädigt weiterarbeiten können“.

Die CSU- Spitze will versuchen, Seehofer auch nach seiner erwarteten Niederlage gegen Erwin Huber weiter in die Parteiführung einzubinden. Er soll auf dem Wahlparteitag Ende September erneut zum stellvertretenden Parteichef gewählt werden. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass Seehofer bei einer zu deutlichen Schlappe bei der Abstimmung für das Spitzenamt nicht mehr als Vize antreten wolle.

„Wir brauchen auch nach der Wahl beide: Erwin Huber und Horst Seehofer“, sagte Friedrich. Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, hält es für möglich, dass Seehofer von den zahlreichen Artikeln über seine Ex-Freundin sogar profitieren kann. „Ein solches mediales Trommelfeuer kann irgendwann auch umschlagen zugunsten des Angeklagten“, sagte Ramsauer. Das Rennen zwischen Bundesagrarminister Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Huber bezeichnete Ramsauer als offen: „Bis zum Parteitag sind es noch sieben Wochen. Da kann viel passieren.“

Auch Seehofer selbst will den Kampf nicht vorzeitig aufgeben. Über sein Ergebnis auf dem CSU-Parteitag Ende nächsten Monats würden sich „einige noch wundern“, sagte der CSU-Vize dem Magazin „Focus“ laut Vorabbericht von Samstag. Er sei schon „durch viele Stahlbäder gegangen“ und schon „oft in der politischen Aussegnungshalle“ gewesen. Und er sei auch daran gewöhnt, in der eigenen Partei mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Die Wahrheit aber liege „in der Wahlurne“, fügte Seehofer hinzu. „Der Zug rollt, und er wird den Bahnhof auch erreichen.“ ddp

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