CSU : Glos deutet früheren Stoiber-Rückzug an

Wirtschaftsminister Michael Glos schließt nicht aus, dass der Wechsel an der Spitze seiner Partei früher stattfindet als im Herbst, wie bisher geplant. Edmund Stoiber trifft sich heute mit CSU-Vize Horst Seehofer.

Berlin/München - Die Überlegungen, nach denen Edmund Stoiber erst im September von seinen Ämtern als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender zurücktritt, seien "sicher noch nicht zu Ende", sagte Glos im Deutschlandfunk. Stoiber, der am Donnerstag nach einer wochenlangen Parteikrise seinen Rückzug erklärt hatte, bespreche sich in diesen Tagen mit seinen Freunden. Danach sehe man weiter, "wie das am Schluss gestaltet" werde, sagte Glos.

Zu der Entwicklung in seiner Partei sagte der Minister: "Es ist ganz natürlich, dass es immer wieder zu Wechseln kommt und dass die Wechsel oft nicht von denen gestaltet werden, die die Ämter innehaben." Die Gefühle der Menschen für einen erfolgreichen Politiker "gehen mit diesen Leistungen nicht immer einher". Im Fall Stoiber habe es zuletzt "auch eine gewisse Enttäuschung" gegeben, meinte Glos.

Auch nach Ansicht des designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) ist Stoiber nicht zuletzt an eigenen Fehlern gescheitert. Der langjährige Regierungs- und Parteichef sei "Opfer einer Entwicklung geworden, die durch den einen oder anderen Fehler von ihm befördert worden ist", sagte Bayerns Innenminister der "Welt am Sonntag". Hinzu komme, dass in der Demokratie "der Wechsel eine Notwendigkeit ist". Es sei sicher so gewesen, "dass verschiedene Entscheidungen von Edmund Stoiber von erheblichen Teilen der Bevölkerung, aber auch der CSU-Mitglieder als falsch und unverständlich empfunden worden sind". Beckstein nannte vor allem den nicht vollzogenen Wechsel Stoibers von München ins schwarz-rote Berliner Kabinett nach der Bundestagswahl 2005.

Appelle an Seehofer

In der CSU war am Samstag der Machtkampf um die Nachfolge Stoibers weiter eskaliert: Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer meldete erneut seine Ansprüche auf das Partei-Spitzenamt an und warf seinem Konkurrenten Erwin Huber sowie Bayerns designiertem Ministerpräsidenten Günther Beckstein unfaire Methoden vor. Mehrere CSU-Spitzenpolitiker appellierten dagegen mit Blick auf eine Doppelspitze Huber/Beckstein an Seehofer, einer einvernehmlichen Lösung zuzustimmen. Stoiber will heute bei einem Gespräch mit seinem Stellvertreter Seehofer einen Ausweg suchen. (tso/dpa)

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