• CSU-Klausur im Kloster Seeon: Eine „Insel der Ruhe und Gelassenheit“ für zürnende Christsoziale

CSU-Klausur im Kloster Seeon : Eine „Insel der Ruhe und Gelassenheit“ für zürnende Christsoziale

Die Bundestagsabgeordneten der CSU ziehen sich zu ihrer Klausur zurück - aber nicht in Wildbad Kreuth, sondern erstmals im Kloster Seeon. Da ist es auch schön.

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Eisstockschützen gehen am Dienstag vor der Kulisse des Klosters Seeon ihrem Sport nach.
Eisstockschützen gehen am Dienstag vor der Kulisse des Klosters Seeon ihrem Sport nach.Foto: dpa

Welch eine Verheißung für die gepeinigte Schwesterpartei: Das neue „Kreuth“, wo sich die Bundestagsabgeordneten der CSU erstmals zur Klausur zurückziehen, wird von seinem Besitzer als „Insel der Ruhe und Gelassenheit“ beworben.

Doch hilft Kloster Seeon, die einstige Benediktinerabtei im Norden des Chiemsees, den zürnenden Christsozialen tatsächlich beim Runterkommen im Dauerstreit mit der Unionsschwester? Oder wird – wofür momentan deutlich mehr spricht – der mit dem Wildbad auf ewig verbundene Geist der CSU-Renitenz an neuem Ort nur neu belebt, um künftig als „Gespenst von Kloster Seeon“ sein Unwesen zu treiben? Dass die dreitägige Klausur vor allem um die Flüchtlingskrise und die innere Sicherheit kreisen soll, erhöht nicht ja gerade die Aussichten auf Aussöhnung und einen harmonischen Wahlkampfauftakt.

Wildbad Kreuth wurde der CSU zu teuer

Allerdings kann der neue Tagungsort so wenig für das Gepolter der Seehofer-Truppe über die Flüchtlingskanzlerin wie die würzige Höhenluft des Wildbads für das Aufkündigen der Fraktionsgemeinschaft unter Franz Josef selig. Fakt ist, dass die CSU in Seeon ordentlich Geld spart. Schließlich wollten die Wittelsbacher bei der Miete in Kreuth nicht mit sich reden lassen - von einer Erhöhung um das Siebenfache war die Rede.

Die Partei hat es nicht mehr so dicke, da muss dann eben auch schon mal ein Mythos dran glauben.

Mozart, Polstermöbel und Bhagwan

Dass das Kloster Seeon weniger idyllisch oder telegen ist als das eingeschneite Wildbad, ist ohnehin nur ein von Nostalgikern gestreutes Gerücht. Die prächtige Anlage im Kreis Traunstein, gestiftet von Pfalzgraf Aribo I. und seiner Gemahlin Adala noch im ersten Jahrtausend, hat eine ebensolche Bergkulisse – und einen See dazu.

Nach der Säkularisierung gehörte sie schon mal der Witwe eines brasilianischen Kaisers und einem Verwandten des russischen Zaren. Zu den Gästen gehörte auch ein gewisser Mozart. Die Nazis betrieben darin eine SA-Schule, später war das Kloster Flüchtlingslager, Polizeikaserne, Polstermöbelfabrik. Dass der Klosterbau in den 70ern in den Besitz der Bhagwan-Sekte gelangte, konnten die Katholiken im Land dann aber doch nicht zulassen. Das Erzbistum München war schneller und erwarb die Anlage, seit 1986 gehört sie dem Bezirk Oberbayern.

Oberbayern oder Franken

Ob Seeon eine Klausurtradition begründen kann wie Kreuth? Die Landtags-CSU trifft sich Mitte Januar lieber im fränkischen Kloster Banz, das der parteinahen Hanns-Seidel-Stiftung gehört.

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Thema Sicherheit bei CSU-Klausur im Fokus
Thema Sicherheit bei CSU-Klausur im Fokus

Dass sich dort fortan alles abspielt, geht aber auch nicht. Mit dem Seehofer-Nachfolgekandidaten Markus Söder und dem Schwarzen Sheriff Joachim Herrmann haben die Franken aus Sicht der Südbayern ohnehin schon die halbe Partei unterwandert. Nicht dass es irgendwann noch zu einem Trennungsbeschluss innerhalb der CSU kommt.

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