CSU-Krise : Nachfolge-Frage spaltet die Partei

Katerstimmung bei der CSU: Die Frage der Beckstein-Nachfolge spaltet die Partei. Soll Seehofer neuer Bayern-Chef werden oder lieber in Berlin den Einfluss der CSU sichern? Und auch Becksteins und Hubers Schuldzuweisungen in Richtung Stoiber heben die innerparteiliche Laune nicht sonderlich.

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Männer, was nun? Die CSU steht vor der Zerreißprobe. -Foto: dpa

MünchenDer Berliner Landesgruppenchef Peter Ramsauer sprach sich am Donnerstag dafür aus, dass der designierte CSU-Chef Horst Seehofer in Berlin bleibt, um nach dem Wahldebakel in Bayern den bundespolitischen Einfluss der Partei zu sichern. Viele junge CSU-Bundestagsabgeordnete ebenso wie viele Christsoziale im einflussreichen oberbayerischen Bezirksverband machen dagegen Stimmung für Seehofer auch als Ministerpräsident.

Bei der Suche nach den Schuldigen für das Wahldebakel geriet auch der ehemalige Ministerpräsident und jetzige Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber massiv unter Beschuss. Attacken kamen vom scheidenden Spitzenduo aus Ministerpräsident Günther Beckstein und CSU-Chef Erwin Huber. Ungeachtet der Führungskrise der CSU sollten am Donnerstagnachmittag die Sondierungsgespräche mit der FDP über eine schwarz-gelbe Koalition starten.

"Alte Regel: Der Parteichef ist in der Hauptstadt"

Ramsauer sagte im ARD-"Morgenmagazin" über die künftige Konstellation an der CSU-Spitze: "Es gibt eine uralte Regel in der CSU, nämlich dass der Parteivorsitzende in der Hauptstadt ist." Wichtig sei ihm, "dass wir als Landesgruppe in Berlin ein Hort der Stabilität sind, kalkulierbar mit klarem Kurs." Nach Becksteins Rücktritt am Mittwoch hatten vier Bewerber ihre Bereitschaft erklärt: Neben Seehofer der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, Landtagsfraktionschef Georg Schmid und Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Seehofer will allerdings nur antreten, wenn sich die drei anderen nicht einigen können.

Beckstein will öffentlich nicht zur Suche nach seinem Nachfolger Stellung nehmen: "Ich will mich da im Moment überhaupt nicht äußern", sagte er im Nachrichtensender n-tv. Er widersprach der Darstellung, in der CSU sei Chaos ausgebrochen. Einer "Partei in Aufruhr" solle nicht eine Lösung "Vogel friss oder stirb" vorgesetzt werden. Die unterfränkischen Landtagsabgeordneten sprachen sich für Goppel aus, wie der "Bayerische Rundfunk" meldete. In den kommenden Tagen wollen alle zehn CSU-Bezirksverbände ihre Linie festlegen.

Stoiber ist der Sündenbock

Beckstein sagte der "Passauer Neuen Presse", es sei der größte Fehler seiner Amtszeit gewesen, sich nicht genügend von seinem Vorgänger Stoiber abgesetzt zu haben. "Ich hätte die massiven politischen Korrekturen, die ich gegenüber meinem Vorgänger gemacht habe, deutlicher kennzeichnen müssen." Huber sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Natürlich hat uns das Schwanken von Stoiber zwischen Berlin und München zwei Jahre lang eine Diskussion gebracht, die die politischen Inhalte überdeckt hat." Auch der stellvertretende CSU-Landesgruppenchef Max Straubinger sieht eine Mitverantwortung Stoibers: "Es ist eine Gesamtverantwortung der Partei, und dazu zählt auch Edmund Stoiber, weil das Wahlergebnis auch ausgelöst worden ist von fünfjähriger Regierungspolitik", sagte er. Stoiber wies das zurück. "Ich glaube, dass es nicht weiterhilft, Schuldzuweisungen vorzunehmen", sagte er in Berlin.

Verhandlungen mit der FDP starten

Die FDP will ohne Vorbedingungen mit der CSU verhandeln. Dies entspreche dem Stil der FDP, sagte Generalsekretär Martin Zeil. Der designierte CSU-Vorsitzende Seehofer habe das Treffen mit FDP-Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vereinbart. Er rief die CSU auf, ihren Machtkampf rasch zu beenden: "Die Führungsfrage muss jetzt so schnell wie möglich beantwortet werden." Im Wahlkampf hatte sich die FDP unter anderen für ein neues Ladenschlussgesetz, gegen das umstrittene Versammlungsgesetz und das strikte Rauchverbot ausgesprochen. (sba/dpa)

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