CSU-Parteitag : Beckstein zum Spitzenkandidaten nominiert

Der Parteitag hat Günther Beckstein mit überwältigender Mehrheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 gewählt. Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli sorgte für einen Eklat: Sie rechnete bitter mit der CSU-Spitze ab.

Beckstein
Beckstein wettert gegen die Schwesterpartei. -Foto: ddp

MünchenEinen Tag vor dem Rücktritt des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber hat die CSU den bisherigen Innenminister Günther Beckstein als Nachfolger nominiert. Die rund 1000 Delegierten des CSU-Parteitags in München kürten den 63-Jährigen mit einer überwältigenden Mehrheit von 96,6 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008. Überschattet wurde die Nominierung von schweren Vorwürfen der "Parteirebellin" Gabriele Pauli gegen Beckstein. Dieser bot der in der CSU heftig umstrittenen Fürther Landrätin ein persönliches Gespräch an.

Stoiber tritt an diesem Sonntag nach 14 Jahren als Ministerpräsident zurück. Beckstein soll am 9. Oktober vom Landtag zum neuen Regierungschef gewählt werden. Am Mittag wollten die rund 1000 Delegierten den Nachfolger Stoibers als CSU-Chef wählen.

Beckstein, der von den Delegierten mit begeistertem Applaus gefeiert wurde, sprach von einer Zäsur in der Geschichte der CSU. "Eine Ära geht zu Ende." Die CSU schulde Stoiber "Dank und Anerkennung". Er fügte hinzu: "Wir haben die Aufgabe, dieses Erbe nicht nur zu verwalten, sondern auch verantwortungsvoll eigenständig zu prägen."

Beckstein grenzte sich zugleich von Stoiber ab und kündigte eine eigenständige Politik und "andere Akzente" an. Er wolle niemanden kopieren. "Das klappt nie, und das mache ich nicht." Er setze "auf Mannschaftsgeist und Mannschaftsleistung". Nach der Wahl des neuen Parteichefs müsse die CSU "zu ihrer legendären Geschlossenheit" zurückfinden.

Pauli erhebt schwere Vorwürfe

Pauli sagte, sie verlange von Beckstein eine Erklärung dafür, warum er sie als eine Person bezeichnet habe, "die zum Psychiater muss". Sie erinnerte daran, dass sie es gewesen sei, die Stoiber als erste zum Rückzug aufgefordert habe, und warf der CSU vor, sie nun als "Königsmörderin" zu bezeichnen. "Ich habe mir sehr viel anhören müssen."

Der amtierende bayerische Innenminister Beckstein hatte am 20. September zur Forderung Paulis nach Einführung einer Ehe auf Zeit gesagt: "Manche meinen, das war eine ganz blöde Geschichte, um in die Medien zu kommen, oder es sei Comedy gewesen. Andere sagen, das ist eine Frage, die über Psychologen oder Psychiater zu behandeln ist." Am Samstag betonte Beckstein: "Ich will Dich keineswegs als Persönlichkeit herabwürdigen, auch wenn ich einige Forderungen als völlig unverständlich empfunden habe."

Beckstein sieht Huber vorn

Mit Spannung wurde die Wahl des neuen CSU-Vorsitzenden erwartet. Um den Parteivorsitz bewarben sich erstmals in der CSU-Geschichte gleich drei Kandidaten: Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, Bundesagrarminister Horst Seehofer und Pauli. Als klarer Favorit galt Huber. Beckstein sagte: "Ich denke, Erwin Huber hat die Nase vorn."

Auch Huber selbst zeigte sich optimistisch. "Ich gehe rein in dem Gefühl, dass ich eine gute Chance habe." Seehofer sagte über seine Chancen: "Schau'n mer mal." Wie bei jedem großen Ereignis trete eine "große Anspannung" ein. Pauli sagte, sie gehe "mit sehr viel Gelassenheit" in die Abstimmung. "Mein Schicksal und mein Glück hängen nicht von Parteiposten ab."

Stoiber betonte, er wolle sich nicht in die Politik seiner Nachfolger einmischen. "Das sind so erfahrene Politiker, die brauchen keine Ratschläge mehr von mir." Der scheidende Ministerpräsident hatte seinen Rückzug Anfang dieses Jahres angekündigt. Die Delegierten sollten in München darüber abstimmen, Stoiber den CSU-Ehrenvorsitz anzutragen. Eine breite Mehrheit dafür galt als sicher. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar