CSU-Parteitag : Die Charmeoffensive des Horst Seehofer

Ein Jahr vor der Landtagswahl erreicht die CSU beinahe schon wieder absolute Stärke. Wem sie das zu verdanken hat, weiß die Partei aber nicht so genau. Eine Reportage vom „Arbeitsparteitag“ in München, auf dem sich Ministerpräsident Seehofer etwas ganz besonders vorgenommen hat.

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Innig. Normalerweise ist Horst Seehofer vieles nicht recht von dem, was die Europa-Kanzlerin Angela Merkel tut. Nun braucht er sie - und sie eine starke CSU.
Innig. Normalerweise ist Horst Seehofer vieles nicht recht von dem, was die Europa-Kanzlerin Angela Merkel tut. Nun braucht er sie...Foto: Andreas Gebert/dpa

Der Horst blickt sinnend an der Messehallenparkhauswand hoch in den strahlend weiß- blauen Himmel, und wie er sich so ins Licht dreht, sieht man es: Das Muster auf der Krawatte, das sind wirklich lauter kleine „H“.

Die Krawatte, erzählt Horst Seehofer, hat ihm seine Staatskanzlei zum Geburtstag geschenkt, und seine Frau hat gesagt, die musst du aufheben, die ist echt nobel. Was die vielen „H“ bedeuten? Na, „Horst“, wahrscheinlich, klar doch.

Man sieht, der Gedanke gefällt ihm, eine Privatkrawatte nur für ihn. Bis plötzlich jemand sagt, Herr Ministerpräsident, drehen Sie die doch mal um, dass man den Hersteller sehen kann. „Hermès“ steht auf dem kleinen Markenschildchen. „H“ wie Hermès, der Edelcouturier. Nix Horst. Man sollte bei der CSU, insbesondere soweit sie aus ihrem Vorsitzenden besteht, dem ersten Anschein eben niemals trauen.

Dem ersten Anschein nach ist zum Beispiel ja auch dieser Parteitag in München ein ganz normales Ereignis. Man könnte sogar von einem betont normalen Ereignis sprechen, weil Seehofer der alljährlichen Delegiertenversammlung das Etikett „Arbeitsparteitag“ hat verpassen lassen. Nein, versichert auch sein Generalsekretär Alexander Dobrindt, nein, ein Jahr vor der Landtagswahl, da sei es noch viel zu früh für Wahlkampf. Den mögen, bitte schön, die Sozialdemokraten an diesem Sonntag bei ihrem Parteitag in Nürnberg eröffnen, wo sie den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude feierlich zum Spitzenkandidaten küren, sich Mut zujubeln und vom Machtwechsel träumen. Die CSU, sagt Dobrindt, habe noch zu arbeiten, für Bayern.

Für „Starkes Bayern, sichere Zukunft“, um genau zu sein, weil, so steht es als Motto an der Messehallenwand. „Starke CSU“ dort hinzupinseln, traut sich Dobrindt noch nicht wieder, schon, um ihre Zukunft nicht zu verspielen.

Im Moment sieht es damit so schlecht nicht aus. Seit einem guten Jahr schleichen sich die Umfragewerte wieder leise, leise an vergessen geglaubte Traumnoten der einstigen Staatspartei heran. 48 Prozent messen die Umfrageforscher aktuell. Das könnte, je nachdem wie es mit Kleinparteien wie den Piraten oder der FDP ausgeht, dann schon für eine absolute Mehrheit reichen.

Das Dumme ist nur, dass selbst in der CSU keiner so genau weiß, womit sie das verdient haben. Die Stimmung ist deshalb auch ein wenig schwebend – nicht mehr gedrückt, wie nach der Niederlage vor vier Jahren, aber weit entfernt von jener „Großkotzigkeit“, die, so sagt es einer aus dem Landtag, irgendwie ja schon auch zum Charakter der Partei gehöre.

Natürlich spielen bei den Zahlen die Schwächen der Konkurrenz eine große Rolle. 39 Prozent gibt die erwähnte Umfrage der SPD, den Grünen und den Freien Wählern zusammen. Für einen „Ude-Effekt“ ist das zu wenig. Dem durchaus populären Sozialdemokraten droht eine sich selbst erfüllende Negativprophetie: Solange es nicht plausibel so aussieht, dass er die CSU-Herrschaft brechen könnte, kann er sie nicht brechen.

Nicht wirklich clever war es wahrscheinlich auch von dem Freien Ober- Wähler Hubert Aiwanger, 2013 außer in Bayern zugleich bundesweit anzutreten. Erstens überdehnt das ersichtlich die Ressourcen seiner Truppe. Und zweitens gibt das jemandem wie der oberbayerischen CSU-Bezirksvorsitzenden Ilse Aigner die Chance, hintertrieben lächelnd zu unterscheiden zwischen den Aiwangerschen und den „wirklich freien Wählern“.

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